Natürlich wurde es feuchtfröhlich - auch spät. Nicht jeder Spieler hatte gestern beim Saison-Abschluss-Frühstück in der Arena den klaren Blick. Die letzte Aktion der Partie - Trochowskis Schuss ins Euro-Glück zum 3:2 - in Frankfurt hatte sichergestellt, dass der Abend in den Räumen der "Edel AG" an der Elbe keine Frustsauf-Veranstaltung wurde - sondern ein Freudenfest. Das Hitchcock-Finale in Frankfurt hat dem HSV nach dem Werder-Horrortrip der Vorwochen einen versöhnlichen Abschluss beschert - nicht mehr. "Heute wird gefeiert", kündigte HSV-Boss Bernd Hoffmann nach Abpfiff an, "ab morgen wird jeder Stein umgedreht."
Eine zu optimistische Prognose - wie sich herausstellen sollte. Gestern war auch für die Offiziellen Schonzeit. Ab heute planen die Bosse die Zukunft. Von fehlender Qualität und nicht vorhandener Siegermentalität war zuletzt wieder häufiger die Rede - auch unter den Spielern. Knipser Mladen Petric fordert klipp und klar: "Es ist wichtig, dass wir noch mehr Qualität in die Mannschaft kriegen. Wir müssen Siegertypen holen und nicht nur Spieler, die sich in anderen Mannschaften nicht durchgesetzt haben." Eine Auslese steht bevor, freiwillige und unfreiwillige Abgänge: Die Torhüter Khalid Sinouh, Wolfgang Hesl (wird verliehen), Raphael Wolf (SV Kapfenberg?) werden gehen müssen. Gleiches gilt für Thimothee Atouba, dessen Vertrag ausläuft und der den Benimm-Bogen zu oft überspannt hat. Bastian Reinhardt wurde wie Ivica Olic (zu Bayern) bereits verabschiedet. Die Leihspieler Albert Streit (Schalke) und Marcel Ndjeng (Gladbach) gehen zurück. Paolo Guerrero (Vertrag läuft 2010 aus, er verlangt vier Millionen Euro Jahresgehalt für eine vorzeitige Verlängerung), Piotr Trochowski (Vertrag bis 2011) und Alex Silva (2013) kokettieren mit anderen Angeboten. Abwehr-Däne Gravgaard könnte davon profitieren, dass Wunschverteidiger Alexander Madlung sich für einen Verbleib in Wolfsburg entschieden hat - als Innenverteidger Nummer drei könnte der 31-Jährige, der dem französischen Erstliga-Absteiger Nantes gehört, doch noch eine Zukunft beim HSV haben.
Bis zu zwölf Spieler verlassen den Verein also - und wer kommt? Mit Hollands Nachwuchs-Star Eljero Elia (21, MOPO berichtete am 3.4.2009) sind die Hamburger weit. Der Flügelflitzer aus Enschede wird von den Top-Klubs Chelsea und Arsenal gejagt, will aber einen Zwischenschritt einlegen. "Ich will zum HSV", betonte er in einem TV-Interview mit dem holländischen Fernsehen. Kostas Katsouranis (29), Abräumer von Benfica Lissabon, hat andere Angebote vorliegen - die Sache droht zu scheitern. Nicht wenige im Verein denken deshalb über einen anderen Mittelfeldmann nach, der bislang bei den Bayern auf der Bank versauert. Nationalspieler Tim Borowski (29) ist eine Option - er würde jedenfalls das Anforderungsprofil erfüllen und mitbringen, was gefragt ist: Qualität und Mentalität.