Es ist 9 Uhr, als die drei jungen Männer aus Eilbek, Hummelsbüttel und Winterhude mit einem Anwalt zur Wache der Bundespolizei in Jenfeld kommen. Sie sagen, die Gesuchten zu sein. Zu der Prügel-Attacke wollen sich die mutmaßlichen Täter jedoch nicht äußern. Warum sie sich gerade jetzt stellten? Vermutlich, weil die Ermittler angedroht hatten, Videobilder, auf denen die Täter zu sehen sind, zu veröffentlichen.
Die drei Männer sollen in der Silvesternacht am Bahnhof Veddel Arthur G. bewusstlos geprügelt haben. Der 42-Jährige hatte zuvor in der Bahn einem älteren Fahrgast zur Seite gestanden, der von den jungen Männern angepöbelt worden war. An der Haltestelle verließen die Täter die Bahn und griffen den couragierten Zeugen an. Sie rammten den Mann zu Boden und traten auf seinen Kopf und Bauch ein. Das Opfer wurde schwer, jedoch nicht lebensgefährlich verletzt.
Eine brutale Tat – und trotzdem sind die mutmaßlichen Schläger nicht in Untersuchungshaft. Warum? Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers: "Ein Anfangsverdacht wegen eines versuchten Tötungsdelikts ist bei dem aktuellen Ermittlungsstadium nicht gegeben. Haftgründe liegen nicht vor."
Haftgründe sind Flucht-, Wiederholungs- und Verdunklungsgefahr. "Alle Beschuldigten verfügen über einen festen Wohnsitz sowie einen Arbeitsplatz und sind bislang nicht vorbestraft", so Möllers. Es soll zeitnah Anklage erhoben werden – wegen gefährlicher Körperverletzung. Den Tätern drohen sechs Monate bis zehn Jahre Haft.
Unterdessen hat die SPD-Bürgerschaftsfraktion eine Senatsanfrage gestellt, um die Hintergründe der Tat zu erfahren und ob die Behörden Kenntnisse über die Tatverdächtigen haben.
Zudem bittet die Bundespolizei weiterhin um Zeugenhinweise. Besonders der ältere Herr, den die Schläger bepöbelt hatten, wird gebeten, sich dringend zu melden.