Das gabs lange nicht: Die Strompreise in Hamburg verringern sich, wenn auch nur leicht. "Die Preise sinken um rund 2,5 Prozent", sagte gestern Wirtschaftssenator Gunnar Uldall. Die Senkung betrifft rund 500000 Hamburger Haushalte, die den Classic Tarif (und nicht den günstigeren "Future") von Vattenfall gewählt haben. Eine vierköpfige Familie spart so 15 bis 20 Euro pro Jahr.
Ursache ist die Senkung der Durchleitungsgebühr durch die Bundesnetzagentur. Vattenfall-Sprecher Ivo Banek: "Wir werden die Preissenkung umgehend an die Kunden weitergeben, voraussichtlich in den nächsten vier Wochen." Die exakte Höhe von 2,5 Prozent wollte er nicht bestätigen. "Das ist Kaffeesatzleserei." Schließlich liege Vattenfall der Bescheid der Agentur noch nicht vor. Auf jeden Fall plant Vattenfall in den nächsten Monaten keine weitere Strompreiserhöhung. Banek zur MOPO: "Das gilt mindestens bis Sommer 2007."
Uldall hatte die letzte Preiserhöhung im Mai nur unter der Auflage erteilt, dass die Senkung der Netzkosten in voller Höhe an die Verbraucher weitergegeben wird. Nun werde die Preiserhöhung um 5,1 Prozent "um etwa die Hälfte zurückgenommen", freut sich Uldall.
Matthias Kurth, Chef der Netzagentur, strich gestern die Stromdurchleitungsgebühren von E.ON um 16 Prozent zusammen. Es war die Entscheidung für den letzten der vier großen Stromriesen, die den deutschen Markt unter sich aufteilen. Vattenfall muss seine Gebühren um 18 Prozent senken, RWE um neun Prozent, EnBW um acht Prozent.
Da die Durchleitungsgebühren 38 Prozent des Stromendpreises ausmachen, kommt von der Senkung beim Kunden nur ein Teil an. Experten gehen von einer Senkung um fünf Prozent im Schnitt aus - das wäre das Doppelte von Uldalls Rechnung.
Erstmals legte die Aufsichtsbehörde gestern Durchleitungsgebühren für Gas fest. Bei der E.ON-Tochter Thüringer Energie strich Kurth 9,5 Prozent, bei E.ON-Mitte sogar elf Prozent. Setzt sich diese Tendenz für E.ON-Hanse (früher HeinGas und Schleswag) fest, könnte Hamburg mit leichten Gaspreissenkungen rechnen. Außerdem ordnete Kurth an, dass T-Mobile, Vodafone, O2 und E-Plus ihre Gebühren für Telefonate in andere Netze senken müssen.
Unterdessen zeichnet sich bei den Bundesländern die Tendenz ab, die Strompreiskontrolle durch die Länder über das Jahr 2007 hinaus zu verlängern und nicht zu beenden.