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Taxi-Mörder muss in Psychiatrie

Taxi-Mörder muss in Psychatrie

Foto: dpa

Die Schüsse im noblen Hamburger Elbvorort Nienstedten kommen ohne Vorwarnung. Von der Rückbank aus feuert der Fahrgast drei Mal ins Genick des Taxifahrers. Er schnappt sich 70 Euro aus der Brieftasche des Opfers - und nimmt die nächste S-Bahn in die Innenstadt. Ein heimtückischer Mord, urteilt das Landgericht am Donnerstag. Aber: Der 24-Jährige ist psychisch krank und daher schuldunfähig. Der junge Mann kommt nun in eine Psychiatrie, vermutlich für lange Zeit. „Sie müssen damit leben, ein ganzes Leben im psychiatrischen Krankenhaus zu verbringen“, sagt der Richter.



Nach außen zeigt der Beschuldigte dabei keine Regung, keine Enttäuschung, keine Trauer. Seinen langen Bart und die schwarzen Haare verbirgt er zunächst unter einem weißen Tuch, später sitzt er im blauen Hemd da. Beim Auftakt der Verhandlung vor zweieinhalb Wochen war er noch in einem ungewöhnlichen Aufzug im Gerichtssaal erschienen - einem hellen Gewand.



Er habe Stimmen gehört, die „Drück ab“ gesagt hätten, erklärt der 24-Jährige. Nicht er habe geschossen, sondern Allah. Schon länger habe er Angst vor Teufeln gehabt, und Angst davor, von den Russen vergiftet zu werden. Für Gutachter ist klar: Er hat eine paranoide Schizophrenie. Sein Intelligenzquotient liegt zudem weit unter dem Durchschnittswert.



Am 13. Januar 2010 kommt der Mann aus Sri Lanka zurück - dort hat er geheiratet. Am Abend des nächsten Tages steigt er am S-Bahnhof Blankenese in das Taxi des späteren Opfers. Er hat eine geladene Pistole dabei und lotst den Fahrer in eine Nebenstraße, die er gut kennt. „Sie haben wahrscheinlich nicht ein einziges Wort miteinander gesprochen“, betont der Richter. „Das Opfer war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort.“ Genau 3,6 Kilometer zeigt der Taxameter an, als der Fahrer getötet wird. Der 24-Jährige läuft zum nächsten S- Bahnhof, die Pistole wirft er später in die Elbe.



Das Taxi steht die ganze Nacht mit laufendem Motor am Straßenrand. Erst am nächsten Morgen entdecken Passanten den Toten im Wagen. Der brutale Mord sorgt in Hamburg für Erschütterung - und für Verunsicherung bei Taxifahrern. Gerade nachts fahre die Angst immer mit, klagt Jörn Napp vom Taxiforum, einer Plattform für Fahrer. Napp, der selbst seit 35 Jahren am Steuer sitzt, fordert daher eine Videoüberwachung in allen Taxen. Der 65-Jährige ist enttäuscht von der Gerichtsentscheidung: „Ich hätte mir gewünscht, dass er wie ein normaler Mörder verurteilt wird.“



Er ist aber kein normaler Mörder, stellt das Gericht klar. Die lange Krankheitsgeschichte des 24-Jährigen macht das überdeutlich. Seit dem neunten Lebensjahr sei seine Persönlichkeitsentwicklung gestört, heißt es. Er kommt in eine Jugendpsychiatrie, hat schon in der Schulzeit Drogen- und Alkoholprobleme, wird mit Diebstahl und Sachbeschädigungen auffällig. Eines Tages würgt er einen Zwölfjährigen, einem Jungen rammt er eine Schere in den Bauch. Zeugen schildern ihn als Waffennarr. Sein Berufswunsch: Gangster. Damit will er andere Jugendliche beeindrucken.



Im Jahr 2005 wendet er sich dem Islam zu, geht regelmäßig in eine Moschee. Aus Angst vor fremden Mächten, wie er sagt, besorgt er sich Waffen. Etwa ein Sturmgewehr samt Munition aus der Schweiz, das er in einem doppelten Boden in seinem Sofa versteckt. Er tönt, Ungläubige müssten getötet werden. Und sagt vor anderen, er werde einen Taxifahrer in den Wald locken, ausrauben und umbringen. Im Laufe der Zeit sei der Mann zu einer „tickenden Zeitbombe“ geworden, sagt der Anwalt, der den Sohn des Opfers als Nebenkläger vor Gericht vertritt. Seit dem Mord an seinem Vater leide er an einem schweren Trauma.



(jk/dpa)

Der mutmaßliche Taximörder vor Gericht

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Nienstedten: Taxifahrer erschossen

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Datum:  22.7.2010
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