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UNTERSUCHUNGSGEFÄNGNIS

Die Geschichte eines Knastes

Hier saßen St. Pauli-Killer Werner Pinzner, Serienmörder Fritz Honka, die Osmani-Brüder und Millionär Alexander Falk. Hier starben drei Männer in "Beruhigungszellen" und nicht zuletzt: Hier richteten die Nazis ihre zentrale Hinrichtungsstätte für Norddeutschland ein. Die Rede ist vom Untersuchungsgefängnis am Holstenglacis, dem Knast, der nach der Skandal-Flucht von Oleg Buchinov in aller Munde ist. Spurensuche in dem düsteren Bau mitten in der Stadt.



Bezahlt haben die Franzosen das Gefängnis, aber nicht ganz freiwillig. Der Bau von 1877 bis 1881 wurde aus Reparationsleistungen nach dem Deutsch-Französischen Krieg (1870-71) finanziert. Zwischen 1912 und 1930 kam es zu Umbauten. Im Schumacher-Stil entstanden das Haftkrankenhaus, ein mächtiger "Turm" und das Eingangsgebäude. "Säle" für bis zu 60 Gefangene wurden gebaut, zwei Tunnel verbanden den Knast mit dem Strafjustizgebäude. Schon seit der Einweihung gehörten Galgen und Schafott zum Inventar. Wenn eine Hinrichtung im Hof anstand, kletterten Schaulustige auf die Bäume des Friedhofs gegenüber und gafften. Die Nazis verlegten die Exekutionen in einen Raum am Haftkrankenhaus. Hier wurden bis 1945 Dutzende Widerstandskämpfer, Kommunisten, "Wehrkraftzersetzer" und andere Nazi-Gegner oft wegen Lappalien geköpft. Auszug aus dem Abschiedsbrief der jungen französischen Widerstandskämpferin France Bloch-Serazin an ihren Mann: "Mein Fredo, dies ist der letzte Brief, den du von mir erhalten wirst. Heute Abend um 9 Uhr werde ich hingerichtet. Du hast mir nur Glück gegeben. Ich will keine Rührung aufkommen lassen. Du weißt wie ich, dass ich nicht anders handeln konnte. Ich sterbe ohne Furcht." Am 12. Februar 1943 starb France Bloch unterm Fallbeil. Unter englischer Besatzung wurde weiter hingerichtet, dann kam die Guillotine ins Museum. 1965 geriet das Gefängnis in die Schlagzeilen: In der "Glocke", einer "Beruhigungszelle", starb Ernst Haase. Der 60-Jährige war von Beamten getreten und geschlagen worden. Zwei weitere Häftlinge fanden in der "Glocke" unter dubiosen Umständen den Tod. Justizsenator Ernst Heinsen trat zurück.1998 kam es zu einem weiteren Skandal: Weibliche Häftlinge wurden sexuell missbraucht, ein Beamter erschoss sich. Im Jahr 2000 schnallten Aufseher einen Dieb (28) auf ein "Fesselbett" und vergaßen ihn - vier Tage lang!

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Datum:  5.1.2008
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