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UNI-ERWEITERUNG

Schröderstift-Revoluzzer wieder auf den Barrikaden

Der Kampf um den Schröderstift

Sie sind sehr friedliche Leute. Liebevoll pflegen sie das Grün vor ihrer Tür, mit Hingabe kümmern sie sich um das Wohlergehen ihrer Nachbarn und sie veranstalten Feste, die im Stadtteil legendär sind. Aber wenn jemand den Bewohnern des Schröderstifts an ihr Zuhause will, dann werden sie sehr, sehr widerspenstig. Jetzt muss die kampferprobte Truppe wieder mal für ihr Idyll kämpfen - die Universität Hamburg soll bis vor ihre Tür ausgedehnt werden.



"Wir sind nicht gegen die Erweiterung. Die Universität soll im Stadtteil bleiben. Aber nicht so", sagt Nieke Erbsleben (45) bei einer Tasse Pfefferminztee. Wittfried Malik (58), Arndt Prenzel (58) und Susanne Leine (51) nicken. Sie gehören zu den rund 90 Bewohnern von Hamburgs erstem Wohnprojekt.



Ihr Zuhause, das ist der Flügelbau an der Schröderstiftstraße/Ecke Beim Schlump (Eimsbüttel). 1852 wurde er gebaut, in den 70er Jahren zogen Studenten ein. 1980 sollte das Anwesen wegen des schlechten Zustandes abgerissen werden. "Aber dieser Flügelbau ist einfach eine Perle -ein Dorf inmitten der Stadt. Wir wollten bleiben", sagt Wittfried Malik.



Die Studenten marschierten ins Rathaus, machten Demos quer durch die Stadt, ließen Gutachten erstellen, dass Sanierung billiger als Abriss wäre und ließen den damaligen Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD) bei sich auf dem Matratzenlager im Gemeinschaftsraum Platz nehmen. Sie durften bleiben, seitdem verwalten sie sich selbst. "Wir haben den Senat durch Fakten überzeugt", sagt Arndt Prenzel heute. Viele der ersten Bewohner leben noch immer in dem Stift. Aus den Studenten sind Ingenieure, Journalisten und Handwerker geworden. Nun muss die alte Kampftruppe wieder ihre Kräfte bündeln. Die Universität soll wachsen. Auf der Grünanlage zwischen Geomatikum und Schröderstift sollen Neubauten entstehen.



"Die Kinder der Umgebung nutzen die Wiese zum Spielen. Dort gibt es viele alte Bäume", sagt Nieke Erbsleben. Die Bewohner schlagen vor, dass die geplante Uni-Bebauung an der Sedanstraße einfach höher ausfällt. Schon 1988 sollte ein Uni-Gebäude auf ihre Wiese. Die Schröderstiftler gingen abermals auf die Barrikaden, abermals erfolgreich.



Am Dienstag beginnt nun die öffentliche Bürgeranhörung zur Uni-Erweiterung, Die friedlichen Leute vom Schröderstift werden auch da sein.

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Datum:  29.11.2010
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