Die beiden Rettungsassistenten jagen ihren Mercedes Sprinter mit Blaulicht über die Saseler Straße in Rahlstedt. Einsatzgrund: Ein Mann mit Allergieschock. Während sie dem Mann in seiner Wohnung helfen, ihn beatmen, werden sie selbst Opfer – Unbekannte rauben den auf der Straße stehenden Rettungswagen aus und entkommen mit Medizin-Geräten im Wert von mehreren tausend Euro.
Als die beiden Retter in der Wohnung den Mann versorgten, durchwühlten die Diebe Schubladen, sackten Geräte ein: ein Beatmungsgerät, ein Blutzuckermessgerät, Vakuumschienen für Knochenbrüche und Halskrausen. Damit nicht genug: Auch das fest eingebaute Navigationsgerät bauten sie aus. Dass all die Geräte vielleicht dringend gebraucht würden, schien ihnen völlig egal zu sein. Hauptsache, Beute! „Das war absolut verantwortungslos“, empörte sich Feuerwehrsprecher Manfred Stahl gestern. Insgesamt beläuft sich der Schaden auf 5000 Euro.
Und dafür mussten sie den Wagen nicht einmal aufbrechen.
Die Retter hatten zwar den Rettungswagen per Fernbedienung abgeschlossen – dabei muss aber etwas schiefgegangen sein. Natürlich überprüften sie in der Eile nicht noch einmal alle Türen. Es zählte jede Sekunde. Außerdem war bislang kein Dieb in Hamburg so dreist. Zwar ließ hin und wieder mal jemand ein Gerät mitgehen, aber diese Dimension ist neu. Mit so etwas musste man bislang nicht rechnen.
Die Polizei kam und nahm den Diebstahl auf – und das dauerte und dauerte. Daher mussten die Retter, immer noch mit ihrem Patienten auf der Trage, extra einen weiteren Rettungswagen rufen. Lebensgefahr bestand für den Mann aber nicht. Er wurde ins Amalie-Sieveking-Krankenhaus in Volksdorf gebracht.
Offenbar gibt es einen Markt für gestohlene Medizingeräte: Ende Juni verhaftete die Polizei drei Männer, die im Auftrag eines tunesischen Arztes und eines Hehlers aus Schleswig-Holstein teure Geräte aus Hamburger Krankenhäusern gestohlen hatten.