Endstation Sehnsucht" von Tennessee Williams - am Thalia Theater müsste es "Blanche DuBois" heißen. Denn dort wird das Drama über den tiefen Fall der höheren Südstaaten-Tochter Blanche zu einem Abend der Maren Eggert. Die 33-jährige Schauspielerin beherrscht die Szene mit einer verblüffenden Selbstverständlichkeit. Dafür gab es nach der Premiere Bravo-Rufe.
Regisseur Stephan Kimmig platziert die mehrfach auf der Bühne und im Kino gezeigte Geschichte in einen Raum, der keiner ist: Feuchte, graue Planen ersetzen die Wände, grau ist der Fußboden. Ein provisorischer Unterschlupf, ein Notzelt. Das Stück spielt in New Orleans nach dem Hurrikan Katrina.
Kimmig vermeidet konsequent jede Ähnlichkeit mit dem legendären Film von Elia Kazan mit Vivien Leigh als Blanche und Marlon Brando als deren Schwager Stanley Kowalski. Es gibt keine Vergewaltigung, keine Sauf- und Pokergelage. Und keine schwülstige New-Orleans-Stimmung.
Maren Eggert hat nichts von der Hysterie des filmischen Vorbilds. Und auch Bühnenpartner Alexander Simon wirkt auf den ersten Blick nicht wie der Prolet, den Brando und unzählige Bühnen-Nachfolger verkörperten. Doch dann die Enttäuschung: Der sonst so feine Schauspieler darf diesmal nur zwei Facetten zeigen - brüllen und jammern. Besser behauptet sich neben Eggert Katrin Wichmann als Blanches Schwester Stella. Eine trotzige Göre mit Hang nach unten, die auf vergangene Herrschaftlichkeit pfeift und ihren Platz ganz gegenwärtig bei ihrem Mann Stanley gefunden hat. Vierter in diesem Bunde ist Andreas Döhler als Stanleys Freund Mitch, der einen Moment gewillt ist, Blanche zu heiraten. Doch dieses Happy End weiß Stanley zu verhindern. Er deckt Blanches Vergangenheit auf: Wie sie ihren Beruf als Lehrerin genauso verloren hat wie das Erbe, wie sie sich prostituiert hat. "Er hasst mich, er wird mich vernichten", sieht Blanche hellsichtig voraus.
Das alles ist so klug gedacht wie virtuos gespielt - und doch letztlich unbefriedigend. Wo kommen diese Menschen her, wo wollen sie hin? Diese Fragen bleiben unbeantwortet. Schade.