Sollen Stadtteilschulen und Gymnasien nebeneinander existieren? Oder ist eine einzige Schulform für alle Kinder ausreichend? Wie die Parteien zur Frage der Schulstruktur stehen, ist bekannt und wird Thema im Wahlkampf sein. Doch was meinen die Eltern? Bevor sie sich positioniert, wollte die Elternkammer erst einmal ein Stimmungsbild unter ihren Mitgliedern abfragen. Das erstaunliche Ergebnis: 58 Prozent der Elternvertreter wollen "eine Schule für alle".
"Mit diesem klaren Votum hätten wir nie gerechnet", sagt Hans-Peter Vogeler von der Elternkammer. Denn das bedeutet, dass die Mehrheit der Eltern für die Abschaffung der Gymnasien in ihrer bisherigen Form ist. Die Schüler würden nach Klasse vier nicht mehr getrennt und auf verschiedene Schulformen geschickt.
Die Bildungsbehörde hält von der Fragebogen-Aktion wenig, denn der CDU-Senat will ein Zwei-Säulen-Modell mit Gymnasium und Stadtteilschule. Behördensprecher Alexander Luckow: "Diese Umfrage ist nicht repräsentativ und sie wurde mit einer ganz bestimmten Zielsetzung durchgeführt." Es stelle die Behörde aber sehr zufrieden, dass "unser Modell trotz dieser Bedingungen fast gleichstark abgeschnitten hat".
"Es war nicht unser Ziel, die Meinung aller Eltern abzubilden", kontert Vogeler. Die Elternkammer hatte sich die Grundschulen als Befragungsort ausgewählt, da nur hier die Eltern vor der Schulwahl stehen. An zehn Prozent dieser Schulen nahmen 263 gewählte Elternvertreter teil. Vogeler: "Wir haben bewusst nur Elternvertreter ausgewertet, weil sie die Meinungsbildner an ihren Schulen sind." Es wurden zudem 140 Antworten von "einfachen" Eltern gesichtet. Hier sind sogar 60 Prozent für "eine Schule für alle".
"Aber 52 Prozent aller Eltern wählen nach der vierten Klasse das Gymnasium. Das hat für mich mehr Aussagekraft", so der schulpolitische Sprecher der CDU, Robert Heinemann.
GAL-Chefin Christa Goetsch kontert: "Dies ist eine Trendbefragung und der Trend ist deutlich."