Sie war eine angesehene Kollegin, bekam etliche Preise, hielt Vorträge und veröffentlichte mehrfach Artikel über ihre wissenschaftlichen Arbeiten. "Eine Spezialistin auf ihrem Gebiet", sagen die Ärzte. Niemand ahnte etwas von dem unglaublichen Betrug. Anna E. (Name geändert) behandelte als Assistenzärztin fast viereinhalb Jahre lang Patienten am UKE - ohne jemals eine Prüfung erfolgreich abgelegt zu haben. Sie fälschte alle ihre Zeugnisse.
Am Montagmittag brach das Lügengerüst der Frau zusammen. Schon seit drei Jahren forderte das UKE von Anne E. die Approbationsurkunde - den Beweis, dass sie Ärztin ist. Doch die Frau konnte das Dokument nicht vorlegen - nun griff das UKE endlich ein. Anne E. gestand den Betrug und zeigte sich anschließend bei der Staatsanwaltschaft selber an.
Am 1. März 2003 wurde E. als Ärztin im Praktikum vom UKE eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie mindestens sechs Jahre Hochstapelei hinter sich. Sie war im vierten Semester ihres Studiums drei Mal durchs so genannte Physikum, eine Vorprüfung, gefallen. Spätestens da hätte ihre Universitätskarriere beendet sein müssen. Doch statt umzusatteln, studierte sie weiter, indem sie die Urkunden fälschte. Anschließend ging sie weder zu einer weiteren Prüfung, noch legte sie ein Examen ab - dafür präsentierte sie weiter falsche Zeugnisse. Offenbar von so guter Qualität, dass niemand einen Verdacht schöpfte.
Und in der Praxis konnte Anna E. offenbar überzeugen. Sie bekam am 1. September 2004 eine Stelle als Assistenzärztin in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Am Ende war sie sogar die Vertreterin eines ärztlichen Leiters.
"Kein Schadensfall kann mit ihr in Verbindung gebracht werden", betont UKE-Chef Jörg Debatin. Sie sei zudem nie "eigenverantwortlich ärztlich tätig" gewesen und habe stets unter "Aufsicht eines Fach- oder Oberarztes" gearbeitet. Ein UKE-Arzt, der unerkannt bleiben will, kann das gegenüber der MOPO nicht bestätigen: "Sie hat auch Nachtdienste gemacht und das völlig eigenständig." Seit mindestens einem halben Jahr habe es die Betrugsgerüchte gegeben.
Die Ärztekammer hat seit Juni 2006 immer wieder versucht, an die Approbationsurkunde zu kommen. Doch Anna E. schaffte es jedes Mal, Aufschub zu bekommen, etwa mit Ausreden, sie sei krank. Als sie eine simple Kopie vorlegte, verhängte die Kammer im April dieses Jahres ein Bußgeld und informierte zwei Monate später die Gesundheitsbehörde. Als die von Anne E. die nötigen Dokumente verlangte, ließ sie sich sogar von ihrer Familie verleugnen.
Nun wird gegen Anne E. ermittelt. Ihr drohen wegen Urkundenfälschung und Einstellungsbetrugs bis zu fünf Jahre Haft.
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