Das Gehirn hatte er ausgeschaltet - laut Selbstauskunft. Seine Emotionen hatte er hingegen bewusst genutzt - und die waren geprägt von Aggression. Piotr Trochowskis Euro-Schuss in der letzten Sekunde der Saison - ein Wut-Hammer. "Er war verärgert", hat auch Martin Jol beobachtet, der seinen Nationalspieler erneut nicht in der Startelf ranließ, "das hat man gesehen". Troches Bestätigung blieb aus. "Was wollt ihr von mir hören, Jungs?", maulte er. Vielleicht die Antwort auf die Frage, ob er beim HSV bleibt. "Bis jetzt ja - reicht das?" Verein und Fans hätten vermutlich lieber ein klares Bekenntnis.
Doch das liefert der der 25-Jährige nicht. Arsenal, Liverpool, ManCity - Troche will hoch hinaus, sich weiterentwickeln, vermisst Qualität um sich herum. "Es ist positiv, dass wir Fünfter sind. Aber in den letzten Wochen sind Dinge passiert, vor denen wir die Augen nicht verschließen dürfen." Als "Trostpflaster" sieht er den Euro-League-Startplatz, weil "wir Champions League spielen wollten".
Trochowski fühlt sich in seiner Entwicklung gehemmt. "Ich will Verantwortung übernehmen, entscheidende Tore machen." Bei Jol ist der Mittelfeldmann - genau wie bei des Trainers Vorgängern Doll und Stevens - nicht unantastbar. Ein Verkannter? Oder überschätzt er sich womöglich? Jol wird ihn sicher nicht daran hindern, entscheidende Tore zu erzielen - wenn er denn beim HSV bleibt.