Hannover 96 befindet sich nach dem Tod von Robert Enke weiter im Ausnahmezustand. Vor der Geschäftsstelle und dem Stadion des Bundesligisten stellten auch am zweiten Tag nach dem Selbstmord des Nationalspielers noch viele Menschen Kerzen auf oder trugen sich in den Kondolenzbüchern ein. In der Geschäftsstelle planten die Verantwortlichen derweil vor allem die Trauerfeier.
96 rechnet für den offiziellen Teil an diesem Sonntag um 11 Uhr in der AWD-Arena mit mehreren zehntausend Teilnehmern. Bis zu 45000 Menschen werden erwartet. Mehr Besucher dürfen aus Sicherheitsgründen nicht ins Stadion.
Bereits beim Trauermarsch am Mittwochabend durch die Stadt zum Stadion hatten 35.000 Menschen Enkes gedacht. Die auch zahlenmäßig unerwartet große Anteilnahme der Hannoveraner hat auch die Verantwortlichen des Vereins überwältigt.
An der Gedenkfeier im Stadion wird am Sonntagmorgen Bundestrainer Joachim Löw mit allen Spielern um Kapitän Michael Ballack sowie dem gesamten Betreuerstab der deutschen Nationalmannschaft teilnehmen. Möglicherweise mit einer Ausnahme: Miroslav Klose steht unter Quarantäne, weil seine Zwillingssöhne Noah und Luan an der Schweinegrippe erkrankt sind.
Ob er am Sonntag zum Team stößt, ist offen. Die Nationalspieler werden im Anschluss an die Trauerfeier nach Düsseldorf reisen, um sich auf den Test gegen die Elfenbeinküste (Mittwoch in Gelsenkirchen) vorzubereiten.
Auch die Ex-Bundestrainer Rudi Völler und Jürgen Klinsmann haben ihr Kommen zugesagt. Die Familie Enke bittet die Fans im Sinne des Verstorbenen, anstelle von Blumenspenden um eine Überweisung für die Per Mertesacker-Stiftung (Bankhaus Hallbaum Hannover, Konto-Nr. 1002127767, BLZ 250 601 80, Verwendungszweck Robert Enke). Die Stiftung von Nationalspieler Mertesacker engagiert sich für unverschuldet in Notlage gekommene Menschen und ermöglicht schwerkranken Kindern die Realisierung von Herzenswünschen.
Bei der Trauerfeier, die live in der ARD übertragen wird, wird der Sarg von Robert Enke auf dem Rasen aufgebahrt. Danach sollen eine kirchliche Andacht sowie Trauerreden von Hannover 96-Präsident Martin Kind, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, Oberbürgermeister Stephan Weil und DFB-Präsident Theo Zwanziger folgen.
Überschaubarer und ruhiger soll die Beisetzung des toten Fußball- Nationaltorhüters anschließend in Empede, einem Ortsteil von Neustadt am Rübenberge, ablaufen. Das Begräbnis ist im familiären Kreis geplant, auch Mitspieler werden erwartet. Auf dem Friedhof von Empede befindet sich auch das Grab von Tochter Lara Enke, die 2006 gestorben war.
Offen ist derzeit, ob das Team von Hannover 96 wie geplant am 21. November bei Schalke 04 antreten wird. Über den Antrag einer Spielverlegung wird intern beraten. "Das ist noch nicht konkret, aber wir denken über die Möglichkeit nach", sagte Manager Jörg Schmadtke. "Im Moment ist es sehr schwierig, die Situation abzuschätzen. Wir müssen abwarten, wie sich die Mannschaft präsentiert.“
(dpa/la)