Nein, Fragen hatte keiner mehr. Als DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger, Manager Oliver Bierhoff und Mediendirektor Harald Stenger mit ihren Ausführungen schlossen, war es still. So still wie kurz zuvor bei der Gedenkminute im Rahmen der wohl schwierigsten Presse-Konferenz, die die Verbandsoffiziellen jemals hatten abhalten müssen.
"Uns ist nicht nach Öffentlichkeit", hatte Zwanziger zugegeben. Und jeder hatte Verständnis nach dieser menschlichen Tragödie, die das Fassungsvermögen aller Beteiligten maßlos überforderte.
Das Spiel gegen Chile wird nicht stattfinden. Natürlich nicht!
"Niemand fühlt sich in der Lage, in dieser Situation einfach zur Tagesordnung überzugehen. Wir haben einen Freund verloren. Das ist ein Moment, bei dem man auch im Fußball innehalten muss. Wir trauern tief um Robert Enke", sagt Bundestrainer Joachim Löw.
Spielerrat, Trainerteam, Bierhoff, Zwanziger und Generalsekretär Wolfgang Niersbach, waren sich am Vormittag im Bonner Teamhotel "Kameha Grand" schnell einig geworden. "Wir können das Spiel gegen Chile nicht durchführen. Die Entscheidung ist alternativlos", erklärte Zwanziger. Eine Ausnahmesituation, für die es keinen Notfallplan gibt, hatte eine besondere Maßnahme erfordert. Zwanziger: "Ein Dank dem chilenischen Verband. Sie sagten: ‚An Ihrer Stelle hätten wir genauso reagiert."
Es flossen Tränen. Im Mannschaftshotel bei den Spielern – Kapitän Michael Ballack kennt Enke seit dessen 13. Lebensjahr – und auf der Pressekonferenz. Oliver Bierhoff hatte der Mannschaft beim Abendessen am Dienstag die Nachricht überbracht. Das wollte er erzählen – doch die Trauer, "diese Fassungslosigkeit, Sprachlosigkeit und Hilflosigkeit" übermannten den 43-Jährigen, der seinen Tränen freien Lauf ließ, sich wieder fasste und sagte: "Keiner hat Anlass gehabt zu glauben, dass Robert an dieser Krankheit leidet."
Als stabil hätten sie ihn empfunden, als einen "der immer ein Lächeln auf den Lippen trägt". Welche Kraft muss es Enke gekostet haben, diese Fassade aufrecht zu erhalten? Oder wie Bierhoff es sagt: "Hätte man es nicht spüren können?" Man konnte offenbar nicht!
Als Verband habe man die Spielunfähigkeit der Akteure "tausendprozentig respektiert", auch wenn dem DFB durch die Absage des Freundschaftsspiels rund fünf Millionen Euro an Einnahmen entgehen. "Aber Geld spielt keine Rolle, wir wollen auch gar nicht über den wirtschaftlichen Aspekt sprechen", erklärte Niersbach.
Die rund 37.000 Eintrittskarten, die für die am Sonnabend in Köln geplante Partie gegen die Südamerikaner schon verkauft worden waren, werden vom DFB zum vollen Preis einschließlich aller Gebühren zurückgenommen, berichtete der Generalsekretär. Ein Tausch gegen ein Ticket für die Partie am kommenden Mittwoch in Gelsenkirchen gegen die Elfenbeinküste sei aus organisatorischen Gründen nicht möglich. Dafür waren bis Donnerstag 23.000 Karten verkauft worden.
Das Länderspiel gegen die Chilenen, deren Verband die Absage sofort akzeptiert hatte, will der DFB möglichst bald nachholen. Sollte es die WM-Gruppen-Auslosung am 4. Dezember in Kapstadt zulassen, könnte bereits in der unmittelbaren WM-Vorbereitung ein Testspiel in Deutschland gegen den WM-Teilnehmer ausgetragen werden. Köln stehe als Austragungsort für ein Länderspiel im zweiten Halbjahr 2010 ganz oben auf der Liste beim DFB, wie Niersbach sagte.