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Tierschutzorganisation deckt auf

Gänse-Skandal bei Möbel-Gigant Ikea

Gänse-Skandal bei Ikea

Gänsekeule mit Rotkohl für 6,90 Euro - das Weihnachtsmenü schmeckt seit Wochen Zehntausenden Ikea-Kunden. Was sie nicht ahnen: Das Billig-Fleisch auf ihren Tellern stammt aus tierquälerischer Haltung in Ungarn. Vor der Schlachtung wurden die Ikea-Gänse mehrfach bei lebendigem Leibe gerupft, wie die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" aufdeckte. Ikea nahm das Skandal-Fleisch gestern von der Karte.



Die Prozedur des Lebendrupfens ist grauenvoll: Die Rupfer pressen die schreienden Gänse zwischen ihre Beine, reißen im Akkord die zarten Federn an Hals, Brust und Bauch aus der Haut - so werden die Daunen produziert. Durch die brutale Behandlung erleiden die Vögel blutende Wunden. Klafft eine Stelle auf, näht der Rupfer die Haut zusammen.



Bis zur Schlachtreife muss eine junge Gans diese Qual bis zu vier Mal über sich ergehen lassen. Nach EU-Recht ist das Rupfen lebender Gänse verboten, was einige ungarische Produzenten jedoch ignorieren. Zu diesen "schwarzen Schafen" zählt auch die Firma "Hungavid".



Marcus Müller, Leiter der Recherche-Abteilung von "Vier Pfoten", verfolgte die Spur der billigen Ikea-Keulen (geschätzte Zahl: mehrere hunderttausend) bis nach Ungarn - und fand heraus, dass ein Teil von "Hungavid" stammte. Aktuelle Videos der Tierschützer zeigen zehntausende Gänse des Unternehmens mit nackt gerupften, blutigen Hälsen und Bäuchen.



Pervers: "Hungavid" wirbt unerlaubterweise mit einem "Tierschutz-Zertifikat", das "Vier Pfoten" der Firma angeblich ausgestellt hat. Hintergrund: Im Juni 2009 hatte "Vier Pfoten" mit der Fleischfirma einen Rahmenvertrag geschlossen. "Hungavid" verpflichtete sich darin, keine lebenden Gänse mehr zu rupfen. Marcus Müller: "Schon bei der ersten Kontrolle fanden wir wieder massenweise gerupfte Gänse. Wir haben den deutschen Handel sofort über den Betrug informiert und Strafanzeige gegen ,Hungavid' gestellt."



Ikea will davon nichts mitbekommen haben. Erst im vergangenen Jahr hatte der Möbelriese einräumen müssen, dass er Daunen aus China verwendet hatte, die ebenfalls lebenden Gänsen ausgerissen worden waren. Auch damals hatte Ikea sich auf Papiere dubioser Lieferanten verlassen. Ikea-Sprecherin Sabine Nolte zu dem neuen Image-Super-GAU: "Wir werden uns in Zukunft stärker auf von uns veranlasste Kontrollen verlassen."

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Datum:  2.12.2009
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