Nur zehn Stunden nach der Razzia im Tierheim Süderstraße kamen die Fahnder zurück. Die Ermittler hatten den Tipp bekommen, dass jemand an ihnen vorbei Akten des Hamburger Tierschutzvereins (HTV) in einen Container geschmissen haben sollte. Um zwei Uhr in der Nacht waren sie erneut auf dem Gelände.
Gefunden haben sie nichts. Jetzt beginnen die Beamten, die sichergestellten Unterlagen und Computer aus neun Wohnungen und Büros auszuwerten. Am Donnerstagvormittag hatten 150 Beamte die Gebäude gestürmt. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen des Verdachts der Untreue gegen HTV-Chef Wolfgang Poggendorf, seine Stellvertreterin Kirsten Weckel und gegen den Schatzmeister Manfred Elsen. Es geht um fragwürdige Immobiliendeals der drei, bei denen Mitglieder des Tierschutzvereines profitiert haben sollen (MOPO berichtete). In einem Fall soll Poggendorf selbst Nutznießer gewesen sein - beim Kauf einer Sylter Ferienwohnung weit unter Preis.
Inzwischen hat sich Poggendorf in einem Rundschreiben an die 7000 Mitglieder gewandt. Darin schreibt er: "Auch wir sind nur Menschen und nicht unfehlbar." Man habe sich "in dem Fall, der zurzeit durch die Medien geht", rechtlich aber nichts vorzuwerfen. "Sollten wir allerdings durch unser Handeln das Rechtsempfinden unsere Mitglieder verletzt haben, so bedauern wird dies sehr."
Am Ende des Briefes appelliert der 70-Jährige beschwörend: "Wir bitten Sie herzlich um Ihr Vertrauen und versichern Ihnen, dass wir uns auch weiterhin nur von unserer Verpflichtung, zum Wohl unserer Mitgeschöpfe beizutragen, leiten lassen.