Mit Actionvehikeln wie "The Rock", "Im Körper des Feindes" oder "Con Air" mauserte sich Nicolas Cage in den Neunzigern zum krisensicheren Publikumsmagneten. Doch in den vergangenen Jahren geriet die Karriere des Mannes mit dem Dackelblick zunehmend ins Stocken. "The Wicker Man" entpuppte sich als Horrorgurke, der Hellseher-Thriller "Next" floppte katastrophal, und zuletzt schaffte es das Profikiller-Remake "Bangkok Dangerous" in Deutschland nicht einmal mehr in die Kinos. Erste Trailer von "Knowing" ließen nun darauf hoffen, dass der Superstar wieder auf den rechten Weg zurückgefunden hat, prophezeiten sie doch ein düsteres Endzeiträtsel mit spektakulären Bildern und krachender Action. Doch diese Versprechen löst der fertige Film des "I, Robot"-Regisseurs Alex Proyas leider nur zum Teil ein.
1959 malten die Schüler einer Grundschule, wie sie sich die Zukunft vorstellen. Die meisten Kinder zeichneten Raumschiffe, nur ein kleines Mädchen füllte sein Blatt mit unverständlichen Zahlenreihen. 50 Jahre später gelangen diese in den Besitz des Uni-Professors Ted Myles (Nicolas Cage). In einer durchzechten Nacht findet der nach dem Tod seiner Frau alleinerziehende Vater heraus, dass es sich bei den nur scheinbar sinnlosen Zahlenfolgen um Daten, GPS-Koordinaten und Opferzahlen von Katastrophen wie etwa den Anschlägen vom 11. September handelt. Drei der angekündigten Termine liegen noch in der Zukunft. Myles tut alles, um die vorhergesagten Katastrophen zu verhindern, doch niemand nimmt seine Theorie für voll¼
Das Geheimnis der Zahlen ist schnell gelüftet. In der Folge gibt sich "Knowing" als typischer Mystery-Thriller, bei dem immer wieder blondierte Anzugträger aus dem Nichts auftauchen und schwarze Steine als Erkennungszeichen zurücklassen. Das ist nicht schlecht, aber eben auch nicht sonderlich originell. Dafür, dass in dieser Phase keine Langeweile aufkommt, sorgen zwei der Katastrophen, die Myles zu verhindern versucht. Ein Flugzeugabsturz neben einer Autobahn, inklusive erster Rettungsmaßnahmen zwischen explodierenden Wrackteilen, ohne Schnitte in einer einzigen Einstellung gedreht, reißt jeden augenblicklich aus dem Sekundenschlaf. Und ein kapitaler U-Bahn-Crash setzt wenig später sogar noch einen drauf.
Am Finale scheiden sich dann die Geister. Zwar liefert Alex Proyas grandiose Bilder, die wie das farbenfrohe Gegenstück zu seinem düsteren Meisterwerk "Dark City" anmuten, doch die Auflösung ist dermaßen mit christlicher Symbolik vollgestopft, dass die eine oder andere allergische Reaktion seitens des Publikums sicher nicht ausbleiben wird. Und als zusätzliche Warnung noch so viel: Wer schon mit der Schlusswendung in "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" seine Probleme hatte, sollte um "Knowing" besser einen ganz großen Bogen machen.
Fazit: Zwei überragend gefilmte Katastrophenszenarien entschädigen für eine symbolisch überladene Auflösung, die viele Zuschauer enttäuscht aus dem Kino entlassen wird.