Das größte Drama der Welt spielt sich nicht in Europa, dem Nahen Osten oder Nordamerika ab - die größten Herausforderungen und Dramen finden sich in Afrika," stellte einst Jan Egeland, Nothilfekoordinator der Vereinten Nationen, fest. Der britische Autor John Le Carré ("Der Spion, der aus der Kälte kam") denkt genauso und schrieb sich in seinem Polit-Thriller "Der ewige Gärtner" seine Wut über die Korruption und Habgier der Pharmakonzerne von der Seele.
Nachdem die Studiobosse in Hollywood abgewunken hatten - die Leute würden keine Filme über Afrika sehen wollen, hieß es - fand sich schließlich doch ein unabhängiger Produzent, der das Wagnis auf sich nahm. Mit dem Brasilianer Fernando Meirelles, der mit dem Slum-Drama "City of God" für Furore gesorgt hatte, kam ein überaus fähiger Regisseur mit ins Boot.
Erzählt wird die Geschichte von Tessa und Justin Quayle. Ein Paar, wie es ungleicher nicht sein könnte. Der liebenswerte, stille Diplomat und die hitzköpfige Menschenrechtsaktivistin leben in Kenia, wo er für die British High Commission arbeitet. Nachdem Tessa wieder einmal ins Hinterland aufgebrochen ist, um den Ärmsten zu helfen, erreicht Justin bald darauf die schreckliche Nachricht: Tessa wurde ermordet aufgefunden. Ihr Begleiter und Freund, Dr. Arnold Bluhm, ist verschwunden. Ein Eifersuchtsmord?
Justin kann sich mit dieser Erklärung nicht abfinden und beginnt nachzuforschen. Er findet heraus, dass Tessa offenbar einem Skandal mit gefälschten Medikamenten auf der Spur war. Und bald ist Justin selbst in Lebensgefahr ...
Wer nun einen gelackten Hochglanz-Thriller á la Hollywood, kitschige Liebesszenen wie in "Jenseits von Afrika" oder die übliche bunte Folklore erwartet, wird enttäuscht. Fernando Meirelles macht es seinem Publikum nicht leicht. Ständige Rückblenden, von "City of God"-Kameramann César Charlone mit verwackelter Handkamera gefilmte Bilder und grelle Farben sind nichts für eingefleischte Sehgewohnheiten, erinnern oft eher an einen Dokumentarfilm. Doch manche Momente sind wunderbar warmherzig, etwa wenn Tessa sich auf einer Pressekonferenz so in Rage redet, dass alle anderen peinlich berührt gehen - und nur Justin ihr amüsiert zuhört. Die Liebesszenen wirken so intim und ungekünstelt, dass man meint, sie wären mit einer versteckten Kamera beim Pärchen von nebenan aufgenommen.
Leider kann sich Meirelles nicht klar entscheiden, ob er der Liebesgeschichte oder dem Thriller den Vorzug geben soll. Das lässt den Film mitunter etwas schwerfällig erscheinen. Die hervorragenden Darsteller aber machen dieses Manko wieder wett.