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So hart trifft die Krise Hamburg

Der weltweite Boom ist vorbei - und besonders Hamburgs wird heftig getroffen. Wir werden uns 2009 "sehr warm anziehen müssen", hat Ole von Beust bereits verkündet. Grund: Die Stärken der hiesigen Wirtschaft in den Bereichen Logistik, Schifffahrt, Flugzeugbau und dem Handel mit Osteuropa sind von der Krise besonders bedroht. Der Unternehmensverband Nord warnt: "Wir müssen mit einem erheblichen Konjunkturabschwung rechnen." Die MOPO hat die wichtigsten Branchen analysiert:



Logistik: In der Metropolregion Hamburg arbeiten 230000 Menschen im Logistikbereich. Nach Jahren des Booms blickt die Branche in einen Abgrund: Die Gewinnwarnungen häufen sich, selbst die Großen der Branche wie Post oder UPS lassen Federn. Aber auch die vielen kleinen Unternehmen haben hart zu kämpfen. Besonders der Abschwung in Osteuropa trifft sie schwer, läuft doch über Hamburg ein Großteil der Warenströme. Auch beim Otto-Versand geht im Logistik-Bereich die Angst um. Personalabbau ist geplant.



Hafen/Schifffahrt: Im Hafen gibt man sich noch optimistisch. "In ein, zwei Jahren ist die Krise spätestens vorbei", sagte Helmut Ponath, Chef der größten deutschen Container-Charterreederei NSB. Auch die HHLA sieht die Lage gelassen. "Trotz der schwierigen Lage bleibe ich vorsichtig optimistisch", so Vorstandschef Klaus-Dieter Peters. Kein Wunder: Während der Hafen stagniert, wächst die HHLA weiter. Dafür liegt der für Hamburg so wichtige Markt für Schiffsfinanzierungen völlig brach.



Luftfahrt: Airbus-Mutter EADS rechnet mit Problemen. Bei der größten Tochter Airbus bestehe das Risiko von Aufschüben oder gar Abbestellungen, so EADS-Chef Louis Gallois. Wie hart es den Flugzeugbauer treffe, sei im Augenblick noch nicht abzuschätzen. Grund zur Panik bestehe aber nicht, die Auftragsbücher seien gut gefüllt. Ende September hatte allein Airbus Bestellungen für mehr als 3800 Maschinen in den Büchern. Anders bei den Fluggesellschaften: Lufthansa und British Airways haben bereits Gewinnwarnungen veröffentlicht.



Auto: Zwar ist der Absatzeinbruch in Hamburg lange nicht so hoch wie etwa in den USA. Aber auch hier werden Händler ihre Blechkisten nur mit hohen Rabatten los. Unter der allgemeinen Krise der Branche leiden zudem Zulieferer. So verhandelt der Hamburger Kunststoffproduzent Albis Plastic, der 35 Prozent seines Geschäfts in der Autoindustrie macht, derzeit mit dem Betriebsrat über Stilllegungen und Kurzarbeit. Fazit: In dieser Branche wird es sehr hart.



Rohstoffe: Die Lage ist unsicher. Europas größte Kupferhütte, die Norddeutsche Affinerie, tritt bereits auf die Kostenbremse. Zum Glück aber noch nicht in Hamburg. Bislang sollen nur Anlagen in Belgien schließen.



Energieversorger: Die Branche braucht sich nicht um Absatzrückgänge bei Industriekunden zu sorgen. Denn Versorger haben's gut: Geben die Menschen ihr Geld nicht mehr in Kneipen oder Kinos aus, bleiben sie zu Hause - und verbrauchen mehr Strom und Heizenergie. So werden anderweitige Verluste kompensiert.



Hotels und Gaststätten: Hamburg hat zuletzt von einem Tourismusboom profitiert. Viele Jobs sind entstanden, viel Geld wurde investiert. Doch aufgrund der lahmenden Binnenkonjunktur rechnet die Branche bundesweit mit einem deutlichen Abschwung - mit entsprechenden Folgen für die Arbeitnehmer.



Einzelhandel: Da der Einzelhandel kaum vom Boom profitiert hat, gehen Beobachter auch nicht von einem großen Fall der Branche aus. Das Weihnachtsgeschäft ist sogar besser angelaufen als erwartet. Allerdings: Steigen die Arbeitslosenzahlen wieder, erwarten Beobachter eine Zunahme an Insolvenzen.



Werber und Verlage: Geht's der Wirtschaft schlecht, sinken die Werbeetats. Die für Hamburg wichtige Branche rechnet daher mit einer deutlichen "Werbe-Rezession" und einem Minus von bis zu zwei Prozent. Folge: Auch die Verlage leiden. Gruner & Jahr streicht bereits Titel und legt Redaktionen zusammen.



Finanzen: Hamburg ist kein bedeutender Finanzplatz. Bislang ist auch unklar, inwieweit die großen Versicherer leiden werden. Ziemlich sicher ist dagegen ein Jobabbau bei der HSH Nordbank (1800 Mitarbeiter in Hamburg), da sich Struktur und Geschäftsfelder stark verändern werden.



Maschinenbau: Die Maschinenbauer sind nervös, aber nicht panisch. Denn Auftragsbücher sind weiter gut gefüllt. Für 2009 wird zwar mit einer Stagnation gerechnet. Aber dem Norden geht es gut: Gerade im Bereich Windkraft ist die Lage weiter positiv.

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Datum:  24.11.2008
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