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Präsident des Umweltamtes will uns das Fleisch vermiesen

BERLIN/HAMBURG Einst war es ein genussvolles Zeichen wachsenden Wohlstands: Am Sonntag kam ein Braten auf den Tisch! Fleisch war damals noch teuer und war etwas Besonderes. Heute ist das anders: Ob Schnitzel oder Rindersteak - der Deutsche lässt sich das auch in der Woche schmecken. "Falsch!", ruft jetzt Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes in Berlin. Und fordert zum Verzicht auf: "Ich empfehle eine Rückkehr zum Sonntagsbraten!"



Der Mann will uns das Fleisch vermiesen - und zwar vor allem der Umwelt zuliebe. Er hat dabei besonders die Rinder im Visier: Denn die, so Troge, tragen maßgeblich zur Erderwärmung bei, sind also "wahre Klima-Killer". Beim Verdauen der Nahrung setzen sie Methan frei, und das wirke bis zu 23 Mal stärker auf die Atmosphäre als Kohlendioxid.



Anlässlich der Grünen Woche in Berlin geht Troge nun in der "Berliner Zeitung" die Landwirtschaft hart an: Die sei mitverantwortlich für den Klimawandel (siehe Info). Er verstehe nicht, warum die Rinderzüchter "von den Klimaschutzauflagen der Bundesregierung weitgehend freigestellt" bleiben.



Nun geht der Fleischverbrauch seit Jahren ständig zurück - wenn auch auf hohem Niveau. Wer verzichte, so Troge, tue nicht nur etwas für die Umwelt, sondern auch für seine Gesundheit. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hatte erst in Dezember den Fleischverbrauch (siehe Grafik) als immer noch zu hoch bezeichnet. Zwar sei Fleisch reich an zahlreichen Vitaminen und Spurenelementen, enthalte aber auch unerwünschte gesättigte Fettsäuren und Cholesterol. Ein hoher Fleischverzehr könne je nach Zubereitungsform wie mit fettreichen Soßen oder Panaden zudem eine erhöhte Fettzufuhr bedingen.



Der Behördenchef rät deshalb zu einer "stärkeren Orientierung an mediterranen Ernährungsgewohnheiten". Hintergrund: Studien hatten ergeben, dass es rund ums Mittelmeer deutlich weniger Infarkte gibt als in Deutschland (siehe Bericht unten).



Doch dem Umweltamtspräsidenten geht es vor allem ums CO2. Er fordert moderne Techniken für den emissionsarmen Umgang mit Gülle und Biogasanlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung. Vor allem aber: weniger Fleisch auf den Tisch. Sinkt die Nachfrage, sinkt auch das Angebot, sinkt die Zahl der Rinder und damit der Ausstoß an Methan. Sinkt damit auch ein Stück Lebensqualität? Troge: "Wohl kaum!"



AO

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Datum:  23.1.2009
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