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Der braune Sturm auf Dresden

DRESDEN Alle Jahre wieder pilgert der braune Mob nach Dresden - eine der schönsten Städte Deutschlands. 6000 stramm rechte Aktivisten gaben am Sonnabend vor, in einem Trauermarsch der Bombenopfer zu gedenken, die vor 64 Jahren, im Februar 1945, bei den schweren alliierten Luftangriffen auf die sächsische Metropole starben.



Und so geriet das Wochenende gleich in mehreren Belangen zu einer Niederlage für das demokratische Deutschland.



Die Instrumentalisierung des Gedenkens: "Bomben-Holocaust" und "Deutschlands Hiroshima" war auf Schildern zu lesen, welche die Nazis im Rahmen eines genehmigten Trauermarsches durch das Herz der Elb-Metropole, die Altstadt, trugen. Ziel: das Gedenken an die geschätzten 25 000 Bombenopfer der Angriffe vom Februar 1945 für ihre abstrusen politischen Ideen zu instrumentalisieren. Kernbotschaft: Die Deutschen sind die eigentlichen Opfer des Krieges.



Eine erschreckende Kultur der Duldung: Geradezu gelassen erduldete Dresden den braunen Spuk. Passanten gingen in der Altstadt shoppen, gleichzeitig zelebrierten Nazis dort schweigend ihren gespenstischen Trauermarsch - flankiert von der Polizei. Von Empörung kaum eine Spur. "Wenn das erlaubt ist, geht das schon in Ordnung", sagte ein Mann um die 50. "Ich finde das gut, dass die hier demonstrieren", so seine Frau.



Sachsen - braunes Kernland? Für die Hauptstadt eines Bundeslandes, dessen Wahlvolk vor fünf Jahren die NPD mit fast zehn Prozent in den Landtag schickte, ist der genehmigte Aufmarsch besonders peinlich.



Handeln mit Methode? Die CDU-Oberbürgermeisterin Helma Orosz fand erst am Freitag deutliche Worte gegen die Nazis, verweigert sich aber bis heute dem überparteilichen "Geh Denken"-Bündnis. Ein Bündnis, das u. a. von Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, SPD-Chef Franz Müntefering und der Schauspielerin Iris Berben gegründet wurde. CDU-Kreischef Lars Rohwer argumentierte, man wolle sich "von der Instrumentalisierung durch die Nazis nicht eine immer stärkere Politisierung des Gedenkens aufzwingen lassen".



Dabei verschweigt er, dass das Gedenken an Dresdens Untergang längst seine politische Unschuld verloren hat. Für die Gegendemonstranten - die Polizei zählte 6500, die Veranstalter 12 500 Teilnehmer - geriet daher die Frage nach Ursache und Wirkung zur zentralen Botschaft: Waren es nicht Nazis, die Europa mit einem Vernichtungskrieg überzogen, in dessen Folge auch Dresden unterging?



Die Polizeistrategen hatten ein Aufeinandertreffen von Nazis und Gegendemonstranten verhindert, weitgehend blieb es ruhig. Am Ende sprachen die Nazi-Organisatoren stolz vom "größten rechten Aufmarsch Europas".



Und weil's so schön war, krönten einige braune Schläger ihr Wochenende, indem sie auf einem Autobahnrastplatz bei Jena eine nach Hause fahrende DGB-Delegation krankenhausreif schlugen. Ein Opfer erlitt dabei einen Schädelbruch.

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Datum:  16.2.2009
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