Für viele Hamburger ist dies die lauteste Kreuzung der Stadt - für Clubgänger ist es die angesagteste Kreuzung der Stadt. Unter der Sternbrücke, wo sich Stresemannstraße und Max-Brauer-Allee in Altona treffen, ist eine kleine, aber feine Subkultur-Szene zu Hause. Das "Fundbureau", das "Waagenbau" und die "Astra-Stube" haben sich längst international einen Namen gemacht. Nun die Hiobsbotschaft: Weil die Bahn dort bauen will, müssen die Clubs verschwinden.
Die Kündigung zum 31. Dezember flatterte vergangene Woche herein. "Es war klar, dass es irgendwann so weit sein würde. Trotzdem ist es ein Schock", sagt Tobias Klemm, Inhaber des "Fundbureaus" an der Stresemannstraße. Grund für das Aus: Die Bahn will ihre Gleise mit neuen Betonpfeilern stützen - und zwar genau dort, wo sich die drei Clubs befinden.
Zwölf Jahre ist es her, dass Kultur an der lautesten Ecke der Stadt erwachte. Dort, wo sich die Hauptstraßen kreuzen und der Bahnverkehr rattert, zog der erste Club in die Kasematten unter den Gleisen - das "Fundbureau", ein Club mit Konzerten, Partys und Kulturbetrieb. Vor zehn Jahren folgte der winzige Live-Club "Astra-Stube" unter der Sternbrücke, vor sechs Jahren die Subkultur-Disco "Waagenbau" an der Max-Brauer-Allee. Pro Wochenende amüsieren sich 2000 Partyfreunde auf der Ecke.
"Für die Club-Szene in Hamburg wird das ein herber Schlag", sagt Volker Meier, Mitinhaber der "Astra-Stube". In dem winzigen Laden treten Bands auf, die vom Stil her nicht in andere Läden passen oder sie nicht füllen könnten. Insgesamt sind bei den drei Clubs etwa 50 Jobs in Gefahr. Außerdem die Arbeitsplätze in den umliegenden Kneipen und Imbissen, die vom Publikum der Clubs profitieren.
Wie geht es nun weiter? "Wir wollen die Bahn bitten, uns noch drei Monate mehr zu gewähren, damit wir die Saison beenden können. Und damit wir genügend Zeit haben, uns nach neuen Standorten umzusehen", sagt John Schierhorn, Geschäftsführer im "Waagenbau". Gern würden die Clubs zusammenbleiben. "Wir müssen das Herz der Hamburger Subkultur herausnehmen und woanders neu einpflanzen", sagt er.
Eine Alternative zur Kündigung sieht man bei der Bahn indes nicht. "Wir müssen die Pfeiler einziehen, danach werden die Räume nicht mehr zu benutzen sein", sagt Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis. Anfang 2010 sollen die Arbeiten beginnen.
Zum Abschluss wird die "Astra-Stube" in diesen Tage noch in hunderttausende deutsche Wohnzimmer einziehen - ein Foto des Clubs ziert das neue Album von Jan Delay.