"Körber Studio Junge Regie" im Thalia/Gaußstraße
Sex - viel spannender als Politik
Also mich interessiert mein Sexualleben mehr als der Israel-Palästina-Konflikt!" Klares Statement vom Theater-Nachwuchs. Der trifft sich unter diesem Titel und zu anderen Themen auch 2010 im "Körber Studio Junge
Regie" am Thalia in der Gaußstraße. Das Festival überlebte Ex-Intendant Ulrich Khuon, es findet in diesem Jahr zum 7. Mal statt. Auch unter der Intendanz von Joachim Lux verspricht es, ein hochspannendes Treffen ausschließlich zukünftiger Talente zu werden. Sex statt Politik ist dabei nur ein Aspekt. Erstaunlich viele alte Bekannte reizen die Jungen: Bertolt Brechts pädagogisch wertvollen "Baal" präsentiert die Theaterakademie Warschau. Das renommierte Max-Reinhardt-Seminar aus Wien ist sogar mit Henrik Ibsens "Peer Gynt" dabei. Ebenso jung ist Katharina Weishaupt, Regisseurin von Jean Genets "Die Zofen" - ein Klassiker, den sie mit Studenten der Essener Folkwang Universität auf die Bühne stellt. Es bleibt aber auch Platz für frischere Dramen, etwa Albert Ostermaiers Utopie "Narkose".
DAGMAR FISCHER
Thalia in der Gaußstraße:
19.-24.3., tägl. ab 19 Uhr, ab 5 Euro, Tel. 32 81 44 44
"150 % made in Hamburg" Schauspiel, Tanz, Performance
Jedes Thema ist erlaubt, solange es aus dem Norden kommt: Das Festival "150 % made in Hamburg" feiert vom 17. bis zum 21. März sein fünfjähriges Bestehen. Schauspiel, Tanz, Performance - den Organisatoren Christian Concilio und Tatjana Dübbel ist es gelungen, vier Uraufführungen, eine deutsche Erstaufführung sowie sechs Hamburg-Premieren zu bündeln.
Geradezu paradiesisch präsentiert sich die Eröffnung auf Kampnagel: "Paradis Surpis" hält Überlebenstipps bereit - gesammelt von Flüchtlingen, die es wissen müssen (morgen, 20 Uhr). Im Lichthof-Theater behauptet Regisseur Johan Heß "Aber dennoch hat sich Bolle ganz köstlich amüsiert" - mit Jugendlichen, die sich und das Publikum fragen, ob das Leben als Quizshow nicht besser funktionieren würde (18.3., 20.30 Uhr). In der Fleetstreet tauchen in "Trial and Error" Puppen in Hamburgs Unterwelt ein (20.3., 20 Uhr).
Äußerst unterhaltsam zeigt das Monsun-Theater, wie "Die zweite Frau" das Leben einer Kleinfamilie zu unmoralischen Konditionen sicherstellt - ein Stück der mehrfach ausgezeichneten Wahlhamburgerin Nino Haratischwili (21.3., 20 Uhr). Das Ottensener Haus richtet auch die Preisverleihung am finalen Abend aus. (def)
"150 % made in Hamburg":
17.-21.3., 5-15 Euro (Karten vor Ort), www.festival150prozent.de