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THALIA THEATER

Wieso, weshalb, warum?

Eine wahre Begebenheit: Salem/Massachusetts 1692. Mädchen tanzen nackt im Wald. Als sie entdeckt werden, retten sie sich vor der Strafe durch Verleumdung. 20 Menschen verlieren bei dieser "Hexenjagd" ihr Leben. Arthur Miller schrieb das gleichnamige Drama in den 50er Jahren während der Kommunisten-Verfolgung durch Senator McCarthy. Nun hat Andreas Kriegenburg das Stück am Thalia Theater inszeniert. Es spielt weder gestern noch heute, sondern in der Zukunft. Das erfährt der Zuschauer aber erst ganz zum Schluss - und da auch nur so nebenbei.



Kriegenburg macht Tabula rasa: Den weißen Bühnenkasten bevölkern schwarz gekleidete Figuren. Sie haben weder Namen noch Identität und verfallen unisono ins Sprechen. Ein Chor, der nach Gerechtigkeit schreit und Rache meint. Die Masse Mensch in ihrer bösesten Art. Wer denunziert wird, mit dem Teufel im Bunde zu stehen, kann sich nur retten, indem er gesteht. Am Leben bleibt, wer sich dem System unterwirft. Wer nicht, wird ausgestoßen - getötet. In flapsiges Neu-Bühnendeutsch übersetzt heißt das: "Du bist raus!" Hm.



Bis zur Pause fesselt die Inszenierung durch ihre "ausgetanzte" Choreografie. Und durch das Ensemble, das selbst in der "Masse" Herausragendes leistet - wie Claudia Renner, Alexander Simon oder Katharina Matz. Wer will, kann an die christliche Religionsgemeinschaft der Amischen denken.



Nach der Pause packt den Regisseur der Wille zum Gegenwartsbezug. Richter (Harald Baumgartner), Vize-Gouverneur (Jörg Pose) und Hauptfigur John Proctor (Alexander Simon) verfallen in Hamburger Slang. Aus Angst vor Betroffenheit flüchtet Kriegenburg sich in Ironie. Das Mittel ist so alt wie das moderne Theater. Ganz lustig wirds gar am Ende: Katharina Matz lässt einen Hit aus ihrer Jugend spielen - von 2003. Nach zweieinhalb Stunden Theater lässt Kriegenburg behaupten, die Geschichte spiele in der Zukunft. Wieso, weshalb - und warum sehen wir davon nichts auf der Bühne? Flaches Finale einer ansonsten ausgefeilten Inszenierung.

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Datum:  22.1.2007
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Julia Sextl

Relativ häufig muss ich kurzfristig ein Taxi bestellen, um noch pünktlich zu einem Termin zu kommen. Meistens stehe ich schon auf der Straße, wenn der Wagen