Enttäuschend, die letzte Premiere unter Intendant Ulrich Khuon auf der großen Bühne des Thalia-Theaters: Stephan Kimmig hat das Stück "Liebe und Geld" des Briten Dennis Kelly als 90-minütiges Drämchen inszeniert, das vielleicht auf der Studiobühne der Gaußstraße reizvoller platziert wäre.
Ein Hingucker ist das Mini-Haus, um das sich Szenen einer Ehe ranken: Sie, Jess, ist kaufsüchtig. Er, David, kommt mit dem Ranschaffen von Geld nicht hinterher. Sie will sich das Leben nehmen. Er hilft nach. Ende der Liebe.
Regisseur Kimmig hat versucht, Kellys Text-Schnipsel zu einer Geschichte zu fügen. Die beginnt ein Jahr nach dem Tod der Frau mit einem erschütternden Geständnis: David erzählt in einer E-Mail-Korrespondenz, wie er Jess vollgepumpt mit Schlaftabletten fand. Wie er die Halbtote nicht nur nicht rettete, sondern mit Alkohol ihren Tod beschleunigte. Weitere Stationen der Rückblende sind die Hochzeit und die Beerdigung, auf der sich Jess' Eltern (ergötzlich: Sandra Flubacher und Stephan Schad) als Grabschänder outen.
Daniel Hoevels bleibt als David blass. Wie nebenbei erzählt er vom Tod seiner Frau, mit der zugleich die Schulden starben. Das trifft nicht, weil wir nicht erfahren, wie es dazu kam, dass David so ist, wie er ist. Susanne Wolff überzeugt als verzweifelt Kaufsüchtige. Doch letztlich berührt auch sie einen nicht - zu sehr bleiben Stück und Inszenierung an der Oberfläche. (so)