Vier Jungs spielen "Räuber". Und zwar die von Schiller. Der schrieb sein erstes Drama mit knapp 20 auf der Militärakademie, die ihm wie ein Gefängnis war. Die Freiheit ist daher ein Thema des Stücks. Das zeigt der Hamburger Regisseur Nicolas Stemann im Thalia Theater in einer Neufassung mit acht Schauspielern, die keine Rollen spielen, sondern Mitglieder eines Wortkonzerts sind. Die vier Jungs übernehmen darin die Hauptpartien: die ungleichen Brüder Franz und Karl Moor sowie die Räuber. Als solche kippen sie Bier, springen ins Publikum und grölen "Freiheit!"
Die vier - das sind Philipp Hochmair, Daniel Hoevels, Felix Knopp und Alexander Simon. Schillers Text wird von ihnen gesprochen, skandiert oder geplappert - im Chor, im Kanon oder einzeln. Das hat Energie und Witz. Diesem furiosen Quartett hört man freudig zu. Was auf der Strecke bleibt, ist die Geschichte. Die von Karl, den der Freiheitsdrang zum Terroristen werden lässt. Und die von seinem kleinen Bruder Franz, der sich zurückgesetzt fühlt, der die Liebe seines Vaters und die Hand von Karls Geliebter Amalia (die einzigen Rollen: Christoph Bantzer und Maren Eggert) durch eine Intrige gewinnen will. Das geht natürlich nicht gut aus. Am Ende gibt es zwei Tote: Franz und Amalia.
Für Stemann ist Schillers Stück nur Anlass, nicht Notwendigkeit. Figuren, Geschichte, Konflikte - alles Nebensache. Stemann hat eine Form gefunden, aber keine Neudeutung des Stücks. Letztlich ließen sich so viele klassische Werke auf die Bühne bringen - wenn man denn einen musikalischen Regisseur wie Stemann hat und ein virtuoses Ensemble wie das des Thalia Theaters.