"Rome-ooo ... das O zieht bisschen runter - oder?", kalauert Papa Montague (Harald Baumgartner) über den Namen seines Sohnes. Es ist lustig im Thalia in der Gaußstraße.
Noch. Wir sitzen im Foyer mitten in Andreas Kriegenburgs Inszenierung von Shakespeares Liebestragödie "Romeo und Julia". Über und zwischen uns turnt, tobt und tönt die Personage - die verfeindeten Familien Montague und Capulet in hinreißenden Fantasiekostümen. Auf einer Stahl-Plexiglas-Brücke steigt die Party - mit Hundemasken, Knarren und Gebrüll. Hier trifft Julia ihren Romeo. Singen kann der Kerl nicht, aber klasse küssen und "fantastisch Kaffee kochen".
Lärm, Witz, Tempo, Körper - diese Elemente beherrschen den ersten Akt. Stille, Gefühl und Schmerz kennzeichnen den Rest. Nach einer Dreiviertelstunde wechselt das Geschehen auf die Studiobühne. Und hier wird Kriegenburg zum stillen Poeten mit viel Zeit für die Liebesgeschichte. Olivia Gräser und Daniel Hoevels sind eine Traumbesetzung - blutjung und doch ausdrucksstark. Der Boden für ihr Spiel ist mit Patronenhülsen übersät: In einer "Welt, die sich dem Schmerz verschreibt", hat die Liebe zwischen Romeo und Julia nicht die klitzekleinste Chance. Das Stück ist in unserer Zeit - nicht platt aktualisiert, sondern ganz selbstverständlich.