Schon wieder ist ein Jahr um. Das merkt der Hamburger spätestens, wenn er sich kurz vor Heiligabend beim traditionellen Weihnachtskonzert von Texas Lightning einfindet. Am Sonnabend wurde in der fast ausverkauften Großen Freiheit gefeiert - nur besinnlich sollte es dort nicht werden.
Statt der guten alten Nordmanntanne schmückten Neon-Kakteen das Bühnenbild, statt Weihnachtsmütze dekorierten Cowboyhüte die Häupter der Musiker. Dazu gab es einwandfrei dargebotene Country-Versionen von den Beatles ("Ticket To Ride"), ABBA ("Dancing Queen") und Burt Bacharach ("Raindrops Keep Fallin' On My Head"), allerdings in einer Lautstärke, die hart an der Schmerzgrenze lag. Es ist eben ein Rock-Christmas, das die fünf Ehrenbürger des US-Bundesstaates Texas zelebrieren - das machen auch die illustren Gäste der Hamburger Lokalmatadoren deutlich.
Allen voran Mr. Piggy alias "Schildkröte", der sonst den schweigsamen Bierschlürfer in der TV-Serie "Dittsche" gibt, in der auch Texas-Lightning-Drummer Olli "Ring-Of-Fire" Dittrich und Sänger Jonny "The Flame" Olsen zu sehen sind. Schildkröte heizt dem Publikum mit seinen fleischigen Fingern auf dem Keyboard zum Song "Whole Lotta Shakin'" von Jerry Lee Lewis ein wie kein Zweiter. Soulman Stefan Gwildis präsentiert deutschsprachiges Liedgut mit "Tanzen auf'm Kiez". Und die australische Farmerstochter Jane Comerford wird gar ein bisschen nostalgisch, als sie zu Madonnas "Like A Virgin" anstimmt - dem ersten Song, den sie vor drei Jahren mit den Jungs von Texas Lightning einstudierte, bevor sie für immer bei ihnen blieb.
Bei ihrem Grand-Prix-Hit "No No Never", den Jane als "Pretty In Pink" darbietet, klatscht dann auch das Publikum eifrig mit. Und schließlich schafft die Band den Brückenschlag zum neuen Jahr: "Smoke, Smoke, Smoke (That Cigarette)" ist die Cowboy-Rebellion gegen das Rauchverbot. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!