Es sind Entscheidungen, die Martin Jol schwer von der Hand gehen. Ivica Olic, Mladen Petric und Paolo Guerrero - alle drei Top-Angreifer des HSV hätten sich ihren Stammplatz verdient, einer aber muss in schöner Regelmäßigkeit zusehen, wenn die anderen wirbeln. Nebenwirkungen bleiben da nicht aus. Nach dem UEFA-Pokal-Erfolgen gegen Nijmegen (3:0, 1:0) schob der auf die Bank degradierte Guerrero heftigen Frust. Nun hat Petric einen dicken Hals. Jols Luxus im Angriff wird immer mehr zum Problem.
Überraschend hatte Guerrero am Sonntag den Vorzug gegenüber Petric erhalten. "Ich war überrascht und auch enttäuscht", erklärte der Kroate am Tag danach. 30 Saisonpartien bestritt der 28-Jährige bislang, 16 Mal traf er. Eine Top-Quote - die einen Bonus nach sich ziehen müsste? "Ich denke, dass ich hier das ein oder andere gute Spiel gemacht habe", so Petric. "Da sollte man sich auch mal ein schwächeres Spiel erlauben dürfen." Er verfolge schon genau, "wie viele Spiele ich am Saisonende habe. Wenn ich auf der Bank sitze, nervt das."
Jol hat den Frust seines treffsichersten Angreifers zur Kenntnis genommen. "Mladen ist sehr wichtig für uns, weil er die Tore macht", erklärt der Trainer. "Aber Guerrero saß gegen Nijmegen draußen, da hat dann Petric gespielt. Mladen kann nicht elf Spiele in 33 Tagen machen, das weiß er selbst auch. Und Paolo ist ja nun auch nicht unbedingt ein Nachwuchsspieler."
Gesetzt war bei Jol zuletzt nur Ivica Olic. Der Verzicht auf seine kroatische Kampfmaschine erscheint dem Trainer am abwegigsten, Guerrero und Petric duellieren sich zurzeit um den Platz daneben. In der Tat ein Problem. Denn während Olic ("Es ist normal, dass man nicht jedes Spiel machen kann") eher Verständnis für eine Spielpause aufbringen würde, beanspruchen seine Sturmpartner ohne Wenn und Aber einen Stammplatz.
Eine knifflige Nummer, Ärger ist programmiert. Während am Sonnabend in Gladbach Guerrero gelbgesperrt ist, stehen morgen im Pokal gegen Wehen Wiesbaden alle drei Angreifer zur Verfügung. Zumindest einem droht heftiger Frust.