Die Studenten müssen auf dem Boden sitzen oder sich in die hintersten Ecken quetschen - regelmäßig zu Beginn der Vorlesungszeit platzen viele Seminarräume an der Universität Hamburg aus allen Nähten. Im jetzt begonnenen Semester ist das nicht anders.
Wieso bekommt man das Problem nicht in den Griff? Die MOPO fragte nach.
Besonders eng ist es in der Fakultät für Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft. Beispiel: In einem Hauptseminar in den Erziehungswissenschaften (für 30 bis 40 Studenten gedacht) tauchten 145 Teilnehmer auf, in einem anderen 138. Folgen: hoher Geräuschpegel, Enge, Frust. "Die Studienbedingungen sind katastrophal", klagt Studentin Lisa.
Der Leitung der Fakultät ist das Problem bekannt. "Dabei bieten wir rechnerisch genügend Seminare und Plätze an", sagt der Dekan, Professor Karl Dieter Schuck. Dass es immer wieder eng wird, hat mehrere Gründe, sagt er. So stehen immer wieder Studenten auf der Matte, die nicht angemeldet oder für die die Kurse eigentlich nicht gedacht sind.
"In einigen Anfänger-Kursen sind ungefähr nur 70 Prozent wirklich Anfänger. Der Rest sind Gasthörer, Schnupper-Studenten und ältere Semester, die festgestellt haben, dass ihnen der Schein noch fehlt. Es ist nicht vorhersehbar, wie viele tatsächlich kommen. Das macht die Planung so schwierig", sagt Lehrveranstaltungs-Organisatorin Elke Gewert.
Damit niemand leer ausgeht, nehmen die Dozenten meist mehr Studenten auf als geplant. Folge: Es wird voll. Für trotzdem Übriggebliebene werden Alternativen gesucht. Elke Gewert hat nun sechs Zusatzkurse organisiert. Nicht einfach. "Von unseren 100 Professuren sind derzeit 20 unbesetzt", sagt sie - auch ein Grund für die Engpässe. Hinzu kommt, dass Studenten mehr Veranstaltungen als früher belegen, damit sie schneller fertig sind.
Eine Lösung wäre, den Stundenplan vorzustrukturieren und das Studium zu verschulen. "Aber das hätte den Nachteil, dass es weniger Wahlmöglichkeiten gäbe", sagt Dekan Schuck. Er plädiert für Verlässlichkeit auf beiden Seiten. Die Uni müsste genügend Kurse anbieten, die Studenten sie dafür nach Studienplan belegen.
An der Situation derjenigen, die sich jetzt über volle Seminare ärgern, wird diese Idee zur Zeit nichts ändern. Sie können sich jedoch mit dem Gedanken trösten, dass die Kurse im Laufe des Semesters immer leerer werden.