Wenn zwei Riesen-Egos aufeinander prallen, dann kann ein hochsensibles Thema wie Sterbehilfe nur kläglich untergehen: Michel Friedman empfing am Donnerstag in seiner N24-Talkshow "Studio Friedman" den Sterbehelfer Roger Kusch. Den "Todesengel", wie er den Ex-Senator gleich nach der Begrüßung nannte.
Immerhin: Nach nur sieben Minuten hatte Friedman seinen Gast so weit in die Enge getrieben, dass Roger Kusch versehentlich einräumte, was er bisher immer offen gelassen hatte: Er hat der lebensmüden Bettina Sch. (79) den Arzt vermittelt, der ihr den tödlichen Giftcocktail verschrieb: "Ich weiß nicht, ob sie ohne meine Vermittlung an den Richtigen geraten wäre." Im Hintergrund sieht der Zuschauer das Bild der lächelnden alten Dame, die wenig später aus Panik vor dem Pflegeheim Gift trank.
Fast konnte er einem leidtun, der schmal gewordene Ex-Justizsenator, der mit versteinerter Miene den verachtungsvollen Verbalattacken ("Ich bringe niemanden um, Herr Kusch!") seines Gastgebers nichts entgegenzusetzen hatte.
Andererseits: Kusch ist ein ebenso eitler Selbstdarsteller wie Friedman. Warum hat er sich von Friedman verbal dermaßen an die Wand drücken lassen? Weil Kusch zwar die Bühne sucht, sich aber offenbar keiner kritischen Debatte stellen wollte. Wie viele Menschen mit einer Mission, sieht Kusch sich und seine Sicht der Dinge über jeden Zweifel erhaben.
Kusch betont, Bettina Sch. sei weder einsam noch depressiv gewesen: "Ihr Todeswunsch war ernst zu nehmen." Friedman in Hochform: "Wenn ich Sie im falschen Moment, in einer Krise kennen lerne, dann habe ich also die Arschkarte."
Am Ende das Thema Geld. Er habe die "Frage der Finanzen bisher nicht abschließend durchdacht", sagt Kusch. Bisher aber habe er "am Tod wenig Geld verdient." Wenig überraschend: Dass seine Todes-Dienste kostenpflichtig werden, schließt er nicht aus. Überraschend: Er schließt auch nicht aus, wieder in Friedmans Sendung zu kommen.
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