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STARTSCHUSS ZUM WM-CASTING

Jogi Löw: Das sind seine Baustellen

Jogi Löw

Foto: dpa

Um 11.10 entstieg der Bundestrainer vorm Düsseldorfer Hilton Hotel dem Mercedes-Kleintransporter. Der Startschuss zur Vorbereitung auf die WM. An seiner Seite hatte Joachim Löw (50) seinen wichtigsten Mann – Urs Siegenthaler (62), den designierten sportlichen Leiter des HSV. Im Gepäck hat Deutschlands Nationalcoach eine Menge ungelöste Probleme. "Das ist auch gut so", sagt er.



Der Kader muss beim Benefiz-Spiel gegen Malta in Aachen (Donnerstag, 18 Uhr, live ARD) ohne die Münchener (Champions-League-Finale am 22. Mai) und die Bremer Nationalspieler (DFB-Pokal-Finale am 15. Mai) auskommen. Der HSV hingegen wird bis zum Ausscheiden bei der WM auf seinen künftigen Taktik-Guru verzichten müssen – Urs Siegenthaler ist voll beim DFB eingespannt. "Er wird seine volle Schaffenskraft abrufen" sagt Löw, "den habe ich in der Vorbereitung mit so vielen Aufgaben und Arbeit beschäftigt, dass er gar nicht an den HSV denken kann." Gut für Löw, nicht so gut für die Trainersuche der Hamburger, die Siegenthaler maßgeblich mit betreuen soll – und will!



Löws eigene Zukunft liegt derweil im Ungewissen. Einen Verein will er nicht übernehmen – das hat er längst klargestellt. Der HSV war ohnehin nie ein ernsthaftes Thema."Es ist alles möglich, denn mein Vertrag läuft ja aus. Mit dem Präsidenten ist vereinbart, dass wir uns gemeinsam mit Oliver Bierhoff zusammensetzen. Ich blende das aus, für mich zählen nur die nächsten Wochen. Mich belastet das nicht."



In diesen nächsten Wochen hat der Bundestrainer noch etliche offene Fragen zu klären. Wer steht im Tor? Wer verteidigt neben den gesetzten Mertesacker und Lahm? Wer darf Ballack und Schweinsteiger im Mittelfeld flankieren? Und wer attackiert in vorderster Front?



Manuel Neuer wird gegen Malta anfangen, sich aber mangels Beschäftigung kaum einen entscheidenden Vorteil gegenüber Tim Wiese und Jörg Butt verschaffen können.



Die Besetzung der Abwehrreihe hängt in der Hauptsache davon ab, ob Löw Lahm rechts oder links einsetzen wird. "Philipp ist Weltklasse. Diese Klasse haben die anderen Kandidaten noch nicht. Er hat etwas länger gebraucht, um auf rechts diese Durchschlagskraft zu haben. Auf links war er in der Offensive unberechenbar, verteidigt hat er rechts besser. In den letzten Wochen hat er auch rechts diese Gefahr ausgestrahlt und ist entsprechend energisch vorm gegnerischen Tor aufgetaucht."



Während Löw im Mittelfeld aus einem bunten Reigen Kreativer auswählen kann (Özil, Kroos, Trochowski, Müller, Marin oder auch Podolski), drückt im Sturm der Schuh. "Die Stürmer, die nominiert sind, gehen auch mit", stellt Löw klar, "Cacau steht für mich eh außer Frage. Nicht nur, weil er gut in Form ist, sondern weil er ein Spielertyp ist, der aus der Tiefe agieren kann und auch mal von außerhalb des Sechzehners ein Tor erzielt."



Drei Etablierte sind hingegen noch längst nicht auf dem notwendigen Leistungs-Niveau. Wird schon werden, glaubt der Bundestrainer: "Bei Klose, Gomez oder Podolski weiß ich, dass sie viel mehr Potenzial haben, als sie es im letzten halben Jahr gezeigt haben. Es ist jetzt unsere Aufgabe, sie so zu stärken, gezielt zu trainieren und anzufeuern, damit sie Selbstvertrauen bekommen. Bei so einem Turnier ist es natürlich auch wichtig, die Psyche zu trainieren."



Am 1. Juni muss Löw seinen Südafrika-Kader bei der FIFA einreichen. Bis dahin läuft das WM-Casting, das für vier der 27 nominierten Spieler mit einer Enttäuschung enden wird. Löw: "Ich muss in der Vorbereitung sehen, wer mit wem gut harmoniert."



Für ihn selbst ist es womöglich die letzte große Aufgabe als Bundestrainer – er begegnet ihr mit Gelassenheit, sagt er: "Ich freue mich, dass es losgeht. Völlig entspannt ist man vor so einem Ereignis natürlich nie. Bei den letzten Turnieren war es so, dass immer einige Fragen offen waren – das beunruhigt mich nicht."

Ankunft der Nationalspieler

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Datum:  12.5.2010
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