Ein Streichquartett auf der Bühne? Irritation bei den rund 2000 Besuchern im Stadtpark. Eigentlich stehen Goran Bregovic und sein "Wedding Funeral Ensemble" für ausgelassenen Balkan-Pop. Und der lässt auch nicht lange auf sich warten. Vom Rasen her antwortet eine deftige Blaskapelle auf das kammermusikalische Stelldichein. Ein Männerchor - zünftig im schwarzen Zwirn - formiert sich, zwei Sängerinnen verzaubern mit sinnlichen Stimmen und blumenbekränzter Tracht.
Als der Meister selbst die Bühne betritt, ist man schon so aufgekratzt wie bei manch anderem Konzert nicht nach der letzten Zugabe. Der 59-jährige Bosnier - er lieferte den funkensprühenden Soundtrack zu Emir Kusturicas "Time of the Gypsies" - weiß, was ankommt, experimentiert aber auch gern.
Fast nahtlos geht der treibende Folklore-Beat mit Alen Ademovic an der großen Trommel in ein mit großer Ruhe intoniertes "Sanctus Dei" des Männerchors über. Eben noch schlugen die Emotionen zu den stampfenden Akzenten der beiden Tuben Purzelbäume, schon werden wir von einem zarten Tango eingelullt. Ein beachtlicher Spagat zwischen Ernst und Unterhaltung, zwischen Überschwang und Besinnung, der völlig ohne Showeffekte auskommt.
Während des fast halbstündigen Zugabenteils stürmt ein Konzertbesucher auf die Bühne. Während er von der Security abgeführt wird, schickte Bregovic dem etwas zu fanatischen Fan sein wütendes "Kalashnikov" hinterher - und ließ es damit noch einmal richtig knallen. Am Ende war es vielleicht ganz gut, dass man die jugoslawischen Strophen nicht verstand.