Schwarze Strümpfe stecken in roten Pumps, die Schenkel sind weit gespreizt - das Tür-Bild über dem Eingang "Zur Ritze" ist so legendär wie die Vergangenheit der Kiez-Kneipe. Die bekam nun von Franz Wittenbrink ein musikalisches Denkmal gesetzt: Nach "Lust" und "Nachttankstelle" komplettiert "Ritze" seine Trilogie über Hamburgs Rotlichtviertel. Hemmungslos bejubelte das Publikum den jüngsten Liederabend im St. Pauli-Theater.
Wittenbrink belebt auf der Bühne den kultigen Box-Keller. Torsten Hammann ist und singt "The Boxer" als schwergewichtiges Zentrum des Stücks - und berührt mit seinen ungelenken Bewegungen zutiefst. Doch "Das Herz eines Boxers" gehört bekanntlich keiner Frau, weshalb die frustrierte Kellnerin den erstbesten Kerl anfleht: "Tu mir weh, Johnny". Ein verirrter Abiturient verliebt sich in eine Pubertierende, muss jedoch bald feststellen: "Sie sieht mich einfach nicht". Ein mit System saufender Dichter kriegt den "Arschloch-Blues". Und Peter Franke stöckelt als abgetakelte Transe herein, um im Laufe des Abends noch als Kommissar, Vater, Mörder und Tourist aufzutreten.
Ein paar Dialoge mehr hätten den liebenswerten Antihelden mehr Profil gegeben. Absolut unterhaltsam und angemessen liederlich ist der Abend auch so. Fanden auch die zahlreichen Promis im Publikum. Box-Weltmeisterin Susianna Kentikian: "Ich bin sehr angetan vom Stück und habe richtig Lust bekommen, mir mal die ,Ritze` anzuschauen - da war ich noch nie." Lob gab es denn auch von "Ritze"-Wirt Hanne Kleine: "Mir hat es sehr gut gefallen", so das Kiez-Urgestein.
Heidi, Hans und Franz haben sich von Seal getrennt. Dabei hat das penetranteste aller Promi-Paare doch gefühlt so oft geheiratet wie Lothar Matthäus. Da fragt sich die geneigte Leserin: Sind diese alljährlichen Hochzeitswiederholungen am Strand eigentlich mit einer einzigen Scheidung zu erledigen?