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ST. PAULI

Zoff um Neubau im Hinterhof

Wieder mal Luxussanierung und Vertreibung alter Kiez-Bewohner oder sinnvolle Renovierung und Rettung historischer Häuser? Um das aktuell größte Wohnungsbau-Vorhaben auf St. Pauli, das Bernhard-Nocht-Quartier (BNQ), ist ein heftiger Streit entbrannt.



Ex-Kiez-Immobilienkönig Claus Becker ließ die 13 Häuser zwischen Bernhard-Nocht-Straße und Erichstraße jahrelang verfallen, ging schließlich pleite. Dann schlug die Stunde des umstrittenen Kiez-Investors Burim Osmani. Er kaufte das Areal zum Schnäppchenpreis von 1,9 Millionen Euro von der Bank, wollte alles abreißen und neue Luxuswohnungen bauen: "Der ganze Kiez ist Müll. Ich will etwas Gutes bauen." Das "Gute" konnte der Bezirk Mitte verhindern. Burim Osmani landete im Knast. Das Areal ging an Immobilieninvestor "Köhler & von Bargen". Das Hamburger Unternehmen will auf 7000 Quadratmetern 84 Neubauwohnungen hochziehen. Dafür sollen aber vor allem Brachflächen genutzt werden - nur die Häuser Bernhard-Nocht-Straße 65 und Erichstraße 19 werden abgerissen. In einer Vereinbarung mit dem Bezirk will der Investor die anderen Altbauten renovieren. Andreas von Bargen zur MOPO: "Die Mieter können bleiben, es wird keine Umwandlung in Eigentumswohnungen geben. Die Modernisierung der Jahrzehnte vernachlässigten Altbauten ist doch auch im Interesse der Bewohner." Von Bargen will mindestens 17 Millionen Euro investieren. Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD): "Ich setze ganz fest darauf, dass die Mieter bleiben können und es keine horrenden Mieterhöhungen geben wird." Das genau befürchten Bewohner und Anrainer. Seit Monaten prangen auch an den Hafenstraßen-Häusern Protestbanner mit Texten wie: "Barbecue statt BNQ. Investorenträume grillen." Es wurde eine Interessengemeinschaft: "No BNQ" gegründet, die sich regelmäßig trifft. Filmemacherin Sandra Frostel (33), die in einem betroffenen Haus an der Bernhard-Nocht-Straße lebt: "Hier wurde 30 Jahre nichts gemacht." Ihr Freund, der Musiker Thies Mynther (41), ergänzt: "Wir befürchten, dass sich der Mietenspiegel im Stadtteil durch solche teuren Projekte erhöht und tote Neubaublöcke wie auf dem alten Bavaria-Brauerei-Gelände hochgezogen werden. Durch solche Bauprojekte stirbt das bunte St. Pauli. Die Bewohner werden vertrieben."



Fakt ist, dass die Mieten auf St. Pauli in den vergangenen Jahren stetig gestiegen sind. Bei Neuvermietung liegen sie angeblich bei mehr als elf Euro Kaltmiete pro Quadratmeter - das liegt deutlich über dem Hamburger Durchschnitt von etwa neun Euro.

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Datum:  20.7.2009
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