Wer Carsten Rothenbach in den letzten Wochen während der 90 Minuten auf dem Rasen beobachtet hat, kann den Eindruck gewinnen, dass sein Arbeitgeber dem Rechtsverteidiger nicht nur zusätzlich zu Monatsgehalt und Prämien noch Geld für zurückgelegte Kilometer zahlt, sondern obendrein noch einen Zuschlag für jedes Betreten des gegnerischen Strafraums.
Sturm und Drang auf St. Paulis Außenbahn! Rothenbach spielt derzeit so offensiv wie nie. Alle 21 Spiele der Kiezkicker hat "Calle" von der ersten bis zur letzten Minute bestritten. Er ist Dauerbrenner und Dauerrenner, pausenlos unterwegs zwischen den Torauslinien. Die Außenbahn als Autobahn.
"Druck nach vorne zu machen - das ist genau mein Spiel", sagt der 29-Jährige, der über die dafür nötige Physis verfügt. "Außerdem macht es einfach Riesenspaß, sich regelmäßig in unsere Angriffe einzuschalten."
Ein stürmischer Verteidiger - das ist ganz nach dem Geschmack von Trainer Holger Stanislawski. "Defensiv ist Calle ohnehin eine Bank. Was das Spiel nach vorne angeht, zeigt die Kurve bei ihm steil nach oben", lobt der Coach. "Calle und auch Bastian Oczipka auf der linken Seite sind in dem System, das wir spielen, fast schon Mittelfeldspieler."
Regelmäßig taucht Rothenbach, der seit 2006 für die Braun-Weißen kickt und noch einen Vertrag bis 2012 hat, gefährlich vor des Gegners Tor auf. Ungewöhnlich häufig für einen Verteidiger, wie Stani anerkennend bemerkt. Nur: Der Ball will nicht rein. Mal Pech, mal Unvermögen.
"Das nervt mich", gibt Calle, der als A-Jugendlicher noch Stürmer war, zu. "Ich hätte diese Saison schon fünf, sechs Tore machen können." Ein Treffer steht bislang zu Buche. "Über vergebene Großchancen ärgere ich mich manchmal tagelang. Ich muss vor dem Tor mehr Entschlossenheit zeigen."
Im Training will er künftig die ein oder andere Zusatzschicht Torschusstraining einlegen. "Ich will in der Rückrunde unbedingt noch ein Tor machen, vielleicht ja wieder ein wichtiges." Wie 2007, als er im vorletzten Saisonspiel zum 2:1 gegen Dresden traf. Es war das entscheidende Tor zum Aufstieg...
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