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ST. PAULI

Protest im Treppenhaus

Our house in the middle of the street" hallt es laut aus einem Altbau im Karolinenviertel. Im Treppenhaus prosten sich Perücken und Masken tragende Mittzwanziger johlend zu, pusten Luftschlangen in den Hausflur. Doch was sich hier vor den Türen einer Wohnungsbesichtigung in der Vorwerkstraße 11 abspielt, ist keine spontane Studentenparty - sondern eine Protestaktion gegen Mietwucher in der Hansestadt.



Keine Frage, schön ist die Wohnung, vor der die rund 20 Aktivisten der neu gegründeten Initiative "Recht auf Wohnraum" stehen. Holzfußboden, eine neue Einbauküche, ein großes Bad mit Wanne. Doch für 60 Quadratmeter ohne Balkon hat das Domizil einen sehr stolzen Preis: 720 Euro Kaltmiete, 850 Euro inklusive Betriebskosten - dazu eine deftige Maklercourtage von zwei Kaltmieten. "Zwölf Euro pro Quadratmeter sind einfach eine Unverschämtheit", schimpft ein Aktivist. Mit der Party-Aktion wollen er und seine Mitstreiter für bezahlbaren Wohnraum kämpfen - und gegen die Verdrängung von einkommensschwachen Gruppen an den Stadtrand.



Unschlüssig inmitten von Protestschildern und maskierten Teilnehmern steht Immobilienmakler Jan Philipp Jaeger. "Natürlich ist die Wohnung hochpreisig", gibt er zu. "Aber zwölf Euro für eine sanierte Wohnung in einem Tipptopp-Zustand - das ist kein Wucher", findet der 44-Jährige. "Völlig überteuert" ist hingegen das Urteil von Sylvia Sonnemann von "Mieter helfen Mietern": "Die Kaltmiete liegt 100 bis 200 Euro über dem Mietenspiegel für vergleichbaren Wohnraum", rechnet sie vor. Normal seien 5,85 bis 8,65 Euro pro Quadratmeter. "Studenten, Ausländer und Künstler werden so aus Trend-Vierteln raussaniert", beklagt sie.



Doch damit soll jetzt Schluss sein: "Wir sind es leid, Woche für Woche mit vielen Menschen auf Wohnungsbesichtigungen zu gehen, ohne dass ein Erfolg sichtbar ist", erklärt ein Aktivist. Weitere Aktionen gegen die Wohnungsmisere sollen folgen.

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Datum:  29.4.2010
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