Toilette auf dem Flur, weder Dusche noch Vollbad, marode Fenster, fehlende Heizungen - in etliche Häuser zwischen Bernhard-Nocht-Straße und Erichstraße wurde seit Jahrzehnten kein Cent gesteckt. Nun gibt es einen neuen Investor, der einige Gebäude abreißen und neu bauen, und andere modernisieren will. Doch im Quartier bildet sich Widerstand. Anwohner fürchten explodierende Mieten und Umwandlung in Eigentumswohnungen.
"Ich wohne seit zehn Jahren über dem Erotic Art Museum, es wurde nie ein Handschlag gemacht, ich habe sogar das Bad selbst eingebaut", sagt Sandra Trostel (33). Das erste, was passiert sei, nachdem der Investor "Köhler und von Bargen" das Gebäude gekauft habe, sei eine Mieterhöhung gewesen. "Jetzt zahle ich pro Monat 70 Euro mehr, obwohl wieder nichts gemacht wurde."
Trostel gehört zur neu gegründeten Initiative "No BNQ" (Kein Bernhard-Nocht-Quartier), neben Anwohnern gehört auch das Aktionsbündnis "Es regnet Kaviar" (gegen Yuppisierung und Luxussanierung auf St. Pauli) dazu. Sie fordern eine sofortige Instandsetzung der Wohnungen - und zwar ohne Mieterhöhungen. Zudem wehren sie sich gegen den geplanten Neubau von 84 Wohnungen. Sie fordern statt dessen sozialen Wohnungsbau.
Die Investoren hingegen wollen zwei der 13 Gebäude abreißen (Bernhard-Nocht-Straße 65 und Erichstraße 19) und dort und auf den freien Flächen des Quartiers neu bauen. Im Innenhof entstehen drei- bis viergeschossige Häuser, in den Baulücken zur Straße fünf- bis sechsgeschossige.
Für viel Unmut sorgt ein vertraulicher Vermerk zu einer Sitzung mit Bezirkspolitikern, Investor und Verwaltung. Darin ist die Rede von Kündigung von Mietverträgen und Umwandlung in Eigentumswohnungen. "Das ist alles so nicht Fakt", sagt GALier Michael Osterburg. Er versteht die Kritiker nicht. "Wir haben dort endlich einen seriösen Investor, der für neuen Wohnraum sorgt."
Hansjörg Schmidt (SPD-Mitte): "Wir hätten dort auch lieber sozialen Wohnungsbau." Aber dazu könne man keinen Investor zwingen. Und auch die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen kann nur noch über Deals begrenzt werden.
Die Performance-Künstlerinnen Paula und Pauline vor Häusern in der Bernhard-Nocht-Straße. Sie protestieren gegen Luxussanierungen.