Der Ärger um den Umzug der Drogen-Einrichtung "Stay Alive" von St. Pauli nach Altona zieht immer weitere Kreise. Am neuen Standort Altona geht die SPD-Basis auf die Barrikaden. Gleichzeitig geraten die Großinvestoren des Bavaria-Geländes in die Schusslinie. Der schlimme Vorwurf aus Behördenkreisen: Um den Kiez aufzuwerten und verstärkt Touristen anzulocken, soll es geheime Absprachen zwischen Politik und Investoren gegeben haben. Zurzeit setzen sich im "Stay Alive" an der Davidstraße 70 Junkies drei Mal täglich einen Schuss. Passt das nicht mehr ins Bild des "neuen" St. Pauli?
Immer wieder wird in diesem Zusammenhang der Name Andreas Fraatz genannt, der Enkel und Kronprinz von Kiez-König Willi Bartels. Der baut gerade auf dem Gelände der ehemaligen Bavaria-Brauerei für 65 Millionen Euro das Empire Riverside Hotel - nur unweit des "Stay Alive". Im Sommer 2007 soll der 90 Meter hohe Turm Touristen beherbergen. Nur eines von drei großen Bauprojekten südlich der Reeperbahn. Das Viertel wird für Hunderte Millionen aufgewertet.
Auch in der SPD-Basis in Altona glaubt man an Mauscheleien. Mark Classen, Chef des einflussreichen Distrikts Altona-Altstadt, zur MOPO: "Es kann nicht sein, dass Drogenabhängige unseren Schulkindern zugemutet werden, und das alles nur, damit Touristen ungestört über die Reeperbahn flanieren." Er ist sauer, sagt: "Wenn der Kiez sich fein machen möchte, dann soll er seine Probleme nicht bei kleinen Kindern abladen. Die Drogenhilfe darf nicht einfach in einen anderen Bezirk abgeschoben werden." Andreas Fraatz selber lässt ausrichten: " Ich habe mich da rausgehalten und den Umzug von ¸Stay Alive` in keiner Weise beeinflusst."
Eine Aussage, die so nicht richtig ist. Denn sowohl der Bezirk Mitte als auch der Träger der Drogeneinrichtung bestätigen Kontakte zu Fraatz. "Ich habe Fraatz mit dem ,Stay Alive` zusammengebracht, damit der Umzug reibungslos über die Bühne geht", sagt Bezirksamtsleiter Markus Schreiber. Und: "Wir haben gemeinsam mit Fraatz nach einem neuen Standort gesucht." Gründe für den Umzug sollen die zu hohe Miete und zu kleine Räume sein.