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ST. PAULI

Marcel Eger: Abenteuer in Afrika

Marcel Eger

Foto: hfr

„Egi“ kickte zwischen Ziegen und Rindern und schlief in einer Lehmhütte Die derzeitige Hitzewelle und der trockene Platz an der Kollaustraße können Marcel Eger nicht das Geringste anhaben. Er hat während seines Sommerurlaubs mehrfach unter ganz anderen Bedingungen gekickt. Auf holprigen und staubigen Dorf-Plätzen im Herzen Afrikas, mit und gegen fröhliche Kinder – und manchmal rannten mitten im Spiel Rinder und Ziegen über den Platz. „Das war echt abgefahren. Eine Wahnsinns-Erfahrung“, erzählt er mit leuchtenden Augen.



St. Paulis Verteidiger hat die ungewöhnlichste Vorbereitung auf die Saisonvorbereitung aller Kiezkicker hinter sich. Zusammen mit Benjamin Adrion, dem Frontman von „Viva con Agua“ (VcA) – ein Projekt, das „Egi“ seit Jahren unterstützt – und dessen Mitarbeitern ist er 16 Tage durch Äthiopien und Kenia gereist und hat dort Brunnen-Projekte besichtigt. „Ich wollte mir einmal ansehen, wie die Hilfen vor Ort umgesetzt werden.“



Nach dem Kampf um Trinkwasser steht jetzt der Kampf um die Bundesliga auf der Agenda des Innenverteidigers. Die Verpflichtung des peruanischen Nationalspielers Carlos Zambrano hat die Aussicht auf einen Stammplatz für den 27-Jährigen, der in der vergangenen Saison nur auf drei Einsätze kam, nicht leichter gemacht.



Doch „Egi“ ist nicht der Typ, der sich hängen lässt. Er will alles versuchen, um das scheinbar Unmögliche möglich zu machen.

Kraft habe er getankt auf seinem Afrika-Trip für die sportliche Herausforderung, vor allem mental. „Das erdet ungemein.“ Im äthiopischen Sodo lebte er beispielsweise wie die rund 3000 Einheimischen: In einer Lehmhütte mit Strohdach, mit Plumpsklo und ohne fließend Wasser.



„Die Leute dort kommen mit wenig klar und sind auch nicht unglücklicher als wir. Für sie kommt es einfach nur darauf an, dass die Familie überlebt. Wenn du das mitbekommst realisierst du erst, was du zu Hause in Deutschland alles hast.“ Angetan war Eger von der Gastfreundschaft. „Die Menschen sind sehr dankbar. Man spürt die Zuneigung, kriegt oft ein Lächeln geschenkt.“



Probleme hatten er und Adrion allerdings mit dem Nationalgericht „Injera“, einer Art Pfannkuchen aus Sauerteig mit rohem Ziegenfleisch. „Da haben wir uns prompt den Magen verdorben.“ Ein paar selbst gebrannte Hirseschnäpse sorgten für Linderung. Als die Hamburger wieder auf dem Damm waren, schmetterten sie den St. Pauli-Hit 'Pokalfinale' und tanzten mit den Leuten im Dorf.



Die Grenze in Kenia zu überschreiten, wo es keine Straßen, höchstens Fahrspuren gibt („Da wird man auf den Trucks so durchgeschüttelt, dass man von Free Body Massage spricht“), die deutsche Mannschaft bei der WM beim Public Viewing in einer Bar in Nairobi anzufeuern, Stämme zu beobachten, die mit Tieren zusammenleben – all das möchte „Egi“ nicht missen: „Ich habe das für mich gebraucht, es war sehr emotional, teilweise sogar mystisch, ich konnte es mal fließen lassen, im Kopf entspannen. Diese Reise hat mich auf jeden Fall abgehärtet.“



Eger ist voller Tatendrang. Er weiß, dass kaum einer mit ihm in der Bundesliga rechnet. Doch die Zeit auf der Ersatzbank hat ihm nach eigener Aussage nicht geschadet. Im Gegenteil: „Ich bin sogar selbstbewusster geworden, habe mich charakterlich weiterentwickelt. Wir sind in die Bundesliga aufgestiegen, und ich habe meinen Teil dazu beigetragen.“



Durch sein loyales Verhalten gegenüber den Mitspielern und seinem ausgeprägten Teamspirit habe er von den Kollegen und Fans sehr viel Respekt erfahren. Minderwertigkeitskomplexe seien ihm fremd. Auch eine Liga höher wolle er nun alles geben: „Ich habe große Hoffnung, dass meine Fähigkeiten – Zweikampf- und Kopfballstärke – zum Tragen kommen. Früher oder später.“



Benni Adrion ist überzeugt: „Eine Mannschaft kann niemals erfolgreich sein, wenn es nicht auch Typen wie Egi gibt.“

Marcel Eger in Afrika

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Datum:  18.7.2010
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