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ST. PAULI

Die Rückkehr der Straßendealer

Bereits am Nachmittag stehen sie auf der Straße. Unverhohlen und dreist versuchen sie, ihren Stoff an den Mann zu bringen. An der Balduintreppe auf St. Pauli haben sich die Straßendealer wieder breitgemacht. Dabei soll es laut Polizei in Hamburg überhaupt keine offene Drogenszene mehr geben.



Meist lungern sie zu dritt oder viert am oberen Ende der Balduintreppe herum und warten auf Kundschaft. Kommt ein Passant vorbei, wird er angesprochen, im Flüsterton: "Ey Digger, alles klar?" Bleibt er stehen oder nimmt Blickkontakt auf, geht es weiter: "Willst du was zu rauchen oder brauchst du was anderes?" Gemeint sind vor allem Marihuana und Kokain. Ihre Ware verstecken die "Pusher", die laut Polizei vor allem aus Südosteuropa stammen, in Wohnungen nahe der Balduintreppe.



"Die stehen meist schon am Nachmittag hier rum. Es reicht schon, einfach an ihnen vorbeizugehen, um angesprochen zu werden", sagt ein Anwohner (34), der aus Angst vor den Dealern namentlich nicht genannt werden möchte.



Auch die Ganztagsschule St. Pauli, deren Schulhof an die Balduintreppe grenzt, leidet unter dem offenen Drogenhandel. Thomas von Fintel (44), stellvertretender Schulleiter: "Wir beobachten, dass das Dealen seit dem vergangenen Sommer extrem zugenommen hat. Vor allem wegen unserer älteren Schüler im Alter von 16, 17 Jahren ist das ein Problem. Sie gehören zur Zielgruppe der Dealer." Die Schule stehe in regelmäßigem Kontakt mit der Davidwache.



Noch Ende März hatte Polizeipräsident Werner Jantosch (58) bei der Vorstellung der Kriminalstatistik gesagt: "Es ist ein Erfolg der Arbeit der Hamburger Polizei, dass es in der Stadt keine offene Drogenszene mehr gibt." Das trifft zwar auf die ehemalige Drogenhochburgen wie St. Georg zu, aber ausgerechnet auf St. Pauli, dem Stadtteil mit der höchsten Polizeidichte, wird unverhohlen auf der Straße gedealt.



Offenbar sind Dealer wie die von der Balduintreppe für die Ermittler ein kaum zu lösendes Problem. Polizeisprecher Ralf Meyer (49): "Wir haben in den vergangenen Jahren viel erreicht. Dennoch wird es an einigen Stellen vereinzelt immer wieder zu Drogenhandel kommen."



Noch Ende der 90er Jahre war die Balduintreppe für die Polizei vermintes Terrain: Wenn die Beamten mutmaßliche Dealer - damals noch vornehmlich Schwarzafrikaner - festnehmen wollten, wurden sie oft von Bewohnern der Hafenstraße angegriffen. Sie warfen der Polizei Rassismus und Willkür vor. Den Ermittlern blieb häufig nichts anderes übrig, als sich zurückzuziehen.



Jetzt, im Jahr 2009, will die Polizei das Problem der Straßendealer offensiver angehen. Sprecher Ralf Meyer: "Die Davidwache und die Abteilung ,Straßendeal` zeigen mit Zivilfahndern und uniformierten Beamten Präsenz." Man werde sich "um das Problem kümmern".

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Datum:  11.5.2009
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