Drei Spieler sind gesperrt, ein Ex-Löwe ist beim Kiez-Klub nur Reservist und zu allen gibt es eine eigene Geschichte.
Alexander Ludwig
Ein Sieg, "sonst wird es hier unangenehm"
Beim Hinspiel drosch er Ecke um Freistoß vors St. Pauli-Gehäuse, stürzte seine alten Kollegen in diverse Verlegenheiten. Zum Wiederholungstäter wird Alexander Ludwig allerdings nicht. Am Sonntag wird "Lude"dem Duell seiner Münchner Löwen mit dem Kiez-Klub von der Tribüne aus beiwohnen. Er hatte sich am vergangenen Sonnabend beim 1:3 in Paderborn die fünfte Gelbe abgeholt. Kurz vor Ultimo.
Hatte er etwa Bammel vor St. Pauli? "Quatsch. Das Spiel war scheiße, ich hatte 'nen dicken Hals und hab um mich getreten. An die Sperre habe ich überhaupt nicht gedacht." Die Partie in Paderborn war repräsentativ für die Saison der Sechz'ger. “Es läuft enttäuschend für den Verein, die Fans und mich", gesteht der 26-Jährige. "Wir sind graues Mittelmaß. So habe ich mir das nicht vorgestellt." Zumal er auf seiner Wunschposition hinter den Spitzen noch gar nicht zum Einsatz gekommen ist. "Ich habe als Linksaußen angefangen, inzwischen bin ich Staubsauger im Mittelfeld." Dafür seien seine Leistungen "ganz okay" gewesen. Und das, obwohl er mit seiner neuen Heimat immer noch nicht so recht warm geworden ist. "Ich versuch's immer noch", meint Ludwig. Ab Sonntag könnte es noch ein bisschen problematischer werden. "Ich hoffe auf drei Punkte", verrät er. "Denn sonst wird's hier unangenehm."
Matthias Lehmann
Einen guten oder schlechten Zeitpunkt für eine Sperre gibt es nicht. "Man kann es sich nicht aussuchen", meint Matthias Lehmann. "Wenn es passiert, dann passiert's." Bei ihm ist es passiert. Am Sonntag, in der Nachspielzeit gegen Bielefeld. Die fünfte Gelbe. Nun hat er also frei, wenn St. Pauli bei seinem Ex-Klub ran muss. Den Trip nach München schenkt er sich. "Ich werde in Hamburg ein bisschen bummeln, den Kopf frei bekommen, die Seele baumeln lassen", erklärt der 26-Jährige.
Dass auf seine Kollegen ein hartes Stück Arbeit zukommt, ist "Matze" bewusst. "Die Löwen stehen mit dem Rücken zur Wand", mahnt Lehmann. "Und Trainer Lienen ist ja dafür bekannt, dass er personell dann alles durcheinanderwürfelt." Dennoch geht er fest von einem Erfolg der Braun-Weißen aus: "Wir kommen aus dem Tief wieder raus." Ob nun mit oder ohne Matthias Lehmann.
Markus Thorandt
Er will unbedingt, er könnte ohne Probleme doch er darf einfach nicht:
Markus Thorandt wird wohl auch bei der Rückkehr zu seinem alten Arbeitgeber am Sonntag nur ein Platz auf der Bank bleiben. "Es ist schon schwer, Geduld zu finden", gesteht der Manndecker. "Aber ich kann den Trainer ja auch verstehen." Mit Fabio Morena und Ralph Gunesch steht St. Paulis Innenverteidigung, "die beiden haben sich durch ihre Leistungen einen Bonus erspielt". Thorandt, zu Beginn der Saison Stammkraft, warf eine Achillessehnenverletzung aus der Bahn. "Ist längst wieder okay, körperlich fühle ich mich sehr gut", erklärt der 28-Jährige. Umso schmerzhafter, trotzdem draußen bleiben zu müssen. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. "Ich hatte ein gutes Gespräch mit Holger Stanislawski", erzählt "Thore", "und ich rechne jede Woche mit meinem Einsatz."
Florian Lechner
Seinen Jahrestag ließ er mit Gattin Sabrina beim Italiener ausklingen. 29 Jahre wurde Florian Lechner am Mittwoch jung, doch die Ereignisse des Sonntags lasteten immer noch schwer wie Blei auf der Feierlaune. Der unberechtigte Platzverweis gegen Bielefeld hatte "Lelle" die Petersilie verhagelt. "Mit den Schiris soll es diese Saison nicht sein", klagt der Außenverteidiger. "Gelb für nix, Gelb-Rot für eine Schwalbe", resümiert er.
"Man kommt sich vor wie im falschen Film." Zumal in seiner Position. Im Sommer läuft der Vertrag aus, Lechner kämpft um eine Verlängerung. "Da ist der Platzverweis tierisch ärgerlich. Aber ich bin ein positiver Mensch. Wer weiß, wofür das alles noch mal gut ist." Lechner macht keinen Hehl daraus, in Hamburg bleiben zu wollen. "Ich bin St. Paulianer. Ich habe hier so viel Scheiße und tolle Sachen miterlebt. Außerdem werde ich hier als Mensch gesehen." Ein perspektivisches Gespräch habe es bereits gegeben, gegen Ende des Monats könne man dann auch Tendenzen absehen. "Aber verrückt mache ich mich nicht." Darum hat er auch einen Plan B in der Schublade. "Alles andere wäre ja blauäugig." Doch man wünscht ihm, dass er den bald wieder einmotten kann. Seit 2004 ist Lechner beim FC St. Pauli. Und da gehört er auch hin.
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