Entschlossen zerknüllte Bernd Hoffmann ein Stück Papier zu einer Kugel und warf sie vom Rednerpult in eine Ecke des CCH. Ein symbolischer Akt, "eine letzte Reminiszenz an die schlimmen 18 Tage", wie der Klubboss wissen ließ. Die legendären wie auch tristen Derby-Wochen mit Werder Bremen zum Ende der Vorsaison sind abgehakt - der Blick geht nach vorn.
Als das Gros der zuvor anwesenden 2259 Mitglieder das CCH längst verlassen hatte, drehte der Vereinschef auf. Nur noch knapp 300 Ohrenpaare lauschten seinen Ausführungen und wurden Zeugen von Hoffmanns Visionen. Der Klubboss brennt auf die Chance, den im Vorjahr verspielten Titeln erneut nachzujagen. "Das Europa-League-Finale findet in unserem Stadion statt", stellte er klar. "Vielleicht gelingt uns ja diesmal der kleine Schritt, der zuletzt fehlte. Es wäre schön, nicht nur als Gastgeber, sondern auch als Teilnehmer im Finale dabei zu sein."
Hoffmanns Worte - sie klangen wie Versprechen. Bis zum 30. Juli, dem ersten Auftritt in der Euro-League-Quali, "soll unser Trainer seinen endgültigen Kader zur Verfügung haben. Danach werden wir nur noch auf Gegebenheiten innerhalb des Kaders reagieren." Neben Schwedens Sturm-Juwel Marcus Berg (Groningen) soll zumindest ein Innenverteidiger kommen. "Das wird in den nächsten Tagen passieren." Gesucht wird zudem ein neuer Namensgeber für die Arena, die HSH Nordbank scheidet im Sommer 2010 aus. "Wir finden einen", so Hoffmann. "Er ist ein wichtiger Teil der Finanzierung unseres zu erwartenden 140-Millionen-Euro-Etats."
Der Klubboss sieht den HSV aktuell auch ohne Sportchef "völlig gut aufgestellt, von Chaos gibt es keine Spur". Schon bald aber wird der Aufsichtsrat ihm einen neuen Mann an die Seite stellen. Auf der von den Räten zusammengetragenen Kandidatenliste befinden sich nach MOPO-Informationen noch immer etwa ein Dutzend Namen - darunter vom Vorstand eingereichte Vorschläge. Die Liste soll noch in dieser Woche eingedampft werden. Mit den verbliebenen Kandidaten werden dann Gespräche geführt.
Sergej Barbarez, als sportliche Kompetenz in den Aufsichtsrat gewählt, ist bei der Vorauswahl übrigens nicht dabei. Allein der Personalausschuss (Horst Becker, Enge, Otto, Rieckhoff) entscheidet. Barbarez konnte (wie alle Räte) Vorschläge unterbreiten - mehr nicht.
Mit einem Kandidaten wurde bereits gesprochen - Chef-Scout Michael Schröder. Der Ex-Profi saß bereits mit den Räten zusammen. Ambitioniert ist er allemal. Bereits vor Monaten soll er sich bei Hannover 96 für den Posten des Managers beworben haben - den Zuschlag erhielt Jörg Schmadtke.
Neben Schröder steht mit Klubmanager Bernd Wehmeyer eine weitere interne Kraft auf der Liste der Räte. Bereits von 1996 bis "98 bekleidete er das Amt des Sportdirektors, sagt nun: "Ich habe mich mit diesem Thema bislang noch nicht beschäftigt. Sollte der Aufsichtsrat mich zum Kandidatenkreis zählen, wird sicher jemand auf mich zukommen." Auch Ex-Nationalspieler Thomas Helmer und Thomas von Heesen (Trainer in Limassol) stehen auf der Liste.
Wer wird der neue, starke Mann neben Hoffmann? Der Klubboss konnte sich einen Seitenhieb in Richtung Dietmar Beiersdorfer jedoch nicht verkneifen, als er die von ihm gewünschten Qualitäten ausplauderte. Eine "hohe Kompetenz, Durchsetzungsstärke und Konfliktfähigkeit, um auf Augenhöhe mit der Vorstandsspitze zu agieren", wünscht sich Hoffmann von seinem "Co-Kapitän", wie er ihn nannte. "Ich bin mir sicher, dass der Aufsichtsrat eine gute Entscheidung treffen wird."
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