Allerlei Kritiker werden sich vergnügt auf die Schenkel geklopft haben. Für Roman Grill (Foto) aber war der Montagabend relativ zügig gelaufen. Via Telefon teilte HSV-Aufsichtsratschef Horst Becker dem Spielerberater mit, dass er nicht länger Kandidat für den Posten des Sportchefs ist. Auch eine Niederlage für Bernd Hoffmann - der Klubboss hatte Grill als seinen Wunschkandidaten positioniert.
"Durch die entstandenen Diskussionen haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen", erklärte Becker. "Wir haben so entschieden, und es gibt auch kein Zurück." Grill traf der Entschluss nicht unerwartet. "Ich wundere mich nicht", sagte er der MOPO. "Ich war der Favorit des Vorstandes. Aber der Vorstand war seiner Zeit voraus. In der Bundesliga wird nun mal nicht immer nach Kompetenz und Inhalt entschieden - sondern eher nach Beziehungen."
Grills Enttäuschung ist verständlich. Vor zwei Wochen hatte er den Posten so gut wie sicher, ehe Gegenkandidat Oliver Kreuzer dem HSV per SMS absagte - und die Wahl platzte. "Ich nehme es jetzt sportlich", so Grill. "Ich sehe es als Auszeichnung an, dass ich in der Verlosung war. Inhaltlich habe ich ja voll überzeugt." Ein fader Beigeschmack bleibt aber: "Es war interessant zu sehen, mit wie viel Energie Leute versucht haben, mich zu verhindern."
Die Suche des HSV geht weiter. Neue Namen werden gesucht. Grill wird sich auf der Liste nicht mehr wiederfinden.