Acht junge Männer drängen sich um zwei Kickertische und lassen die Männchen an den Stangen ordentlich tanzen. Eigentlich eine typische Kiezkneipenszene - nicht mal die Astra-Knollen fehlen. Aber diese Kicker-Partie wird im Clubheim des FC St. Pauli ausgetragen. Tischkicker nicht als Kneipenspaß, sondern als richtiger Mannschaftssport. Braun-weiße Trikots inklusive.
Seit September 2009 hat der FC St. Pauli mit der Tischfußball-Sparte "Kicker-Academy St. Pauli" eine neue Talentschmiede dazubekommen. Und die wird dringend gebraucht: "Wo lernt man sonst schon kickern?", fragt Henning Ramcke (31), Geschichtsstudent und erster Vorsitzender der Kicker-Academy. "In der Kneipe nimmt sich ja doch keiner die Zeit, anderen mal was zu zeigen." Beim Mittwochs-Treff im Clubheim zeigen die Trainer technische Tricks und taktische Kniffe. Und jeder darf mitmachen - auch der blutigste Anfänger wird hier freundlich angeleitet. Für Jugendliche gibt es jeden Donnerstag einen Extra-Trainingstermin im Löwenbunker an der Löwenstraße. Außerdem kooperieren die Kicker auch mit Schulen und bieten dort Kurse an.
Ansonsten ist das Mannschaftskickern vor allem etwas für diejenigen Tischfußball-Spieler, die Lust auf sportlichen Wettkampf haben. Die Kicker-Academy nimmt regelmäßig an Turnieren teil - wer richtig gut ist, kann es sogar in die Kicker-Bundesliga schaffen. Aber dafür muss man schon richtig trainiert sein: "Kneipenspieler haben gegen Turnierspieler nicht den Hauch einer Chance am Tisch!", so Henning Ramcke. Ihm ist es wichtig, dass Tischfußball endlich auch als Sport und nicht nur als Freizeitspaß wahrgenommen wird. "Bei Tischtennis hat das schließlich auch geklappt!"
Zurzeit trainieren etwa 40 Spieler in der Kicker-Academy - Neumitglieder sind immer gern willkommen. Auch Rollstuhlfahrer können hier spielen: Die Academy hat auch einen barrierefreien Rollstuhlkicker angeschafft. Was den Tischfußballern noch fehlt, ist ein größerer Trainingsraum. Das Hinterzimmer im Pauli-Clubhaus ist auf Dauer doch ein wenig eng. "Wir freuen uns über Angebote!", sagt Henning Ramcke.