Er lässt sie zappeln. Der Retter in der Not will es seiner Partei nicht zu einfach machen. Noch bis in den späten Nachmittag hinein warteten die Genossen im Kurt-Schumacher-Haus auf eine Nachricht von Henning Voscherau, der seine Entscheidung bekannt geben wollte. Wird er als Bürgermeisterkandidat zur Verfügung stehen oder nicht?
Ein Wochenende Bedenkzeit hatte sich der Altbürgermeister ausbedungen, wollte noch den Familienrat einberufen. Denn eigentlich habe er sich aus der aktiven Politik zurückgezogen, nachdem er seine mögliche Kandidatur im vergangenen Jahr zu Gunsten von Petersen zurückgezogen hatte.
Während sich die sieben Kreischefs in ungewohnter Einigkeit gaben und sich geschlossen hinter eine Kandidatur Voscheraus stellten, wurde der Tag im Kurt-Schumacher-Haus immer länger. Bei den Genossen machte sich Unruhe breit. Was, wenn Voscherau - der einzig mögliche Kandidat - nicht will? "Dann heißt es, Houston, wir haben ein Problem", brachte es Andreas Dressel, der Innenexperte der SPD-Fraktion auf den Punkt. Und der zurückgetretene Landeschef Mathias Petersen beurteilt die Lage wie folgt: "Sollte Henning Voscherau Nein sagen, weiß ich auch nicht mehr weiter." Doch bis zum Zusammentreffen der Kandidaten-Findungskommission um 19.30 Uhr muss Voscherau sich geäußert haben - so ist die Vereinbarung. Die sieben Kreischefs, Petersen und Stapelfeldt wollen dann beraten, wie sie mit der Entscheidung von Voscherau umgehen. Sollte er sich bereit erklären, wird eine kurze Sitzung erwartet. Mit einem klaren Votum für Voscherau. Bei einem Nein vom Joker müssen sich die Genossen wieder auf eine lange Nacht vorbereiten. Denn ein weiterer Kandidat ist nicht in Sicht.
Doch SPD-Generalsekretär Hubertus Heil, der vergangene Woche bereits als Krisenmanager in Hamburg weilte, gab sich in Berlin zuversichtlich. Es gebe Anzeichen dafür, dass die Hamburger Genossen bei einer Lösung für die Spitzenkandidatur 2008 "unmittelbar vor dem Durchbruch" stünden. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe hatte Voscherau sich noch nicht zu seiner möglichen Kandidatur geäußert. Aus dem Kurt-Schumacher-Haus hieß es: "Es ist alles offen. Wir warten. Es ist vereinbart, dass er sich bis zum Beginn der Sitzung äußert."