Es soll schon Bahn- und Bus-Fahrgäste geben, die haben Oropax in der Jackentasche - damit sie gewappnet sind für den Fall, dass wieder ringsherum Nationalhymen ertönen oder ohrenbetäubendes Gequietsche und Gebimmel. Handyklingel-Töne - ein Ärgernis auch für die SPD-Abgeordneten Thomas Böwer und Monika Schaal. Sie beide treten dafür ein, dass die Fahrgäste beim HVV verpflichtet werden, ihre Mobiltelefone künftig auf lautlos zu stellen.
Beide Politiker schreiben in einer Anfrage an den Senat: "Zunehmend ist zu beobachten und vor allem zu hören, dass das Klingeln von Mobiltelefonen, das Schreiben von Kurzmitteilungen ohne Stummschaltung der Signaltöne, das laute Ab- und Vorspielen von Musiktiteln und Klingeltönen in Bussen und Bahnen immer mehr zunimmt." Unbeteiligte Fahrgäste fühlten sich gestört.
Böwer und Schaal fordern vom Senat, Hamburg möge sch an der österreichischen Stadt Graz orientieren, wo alle Busse und Bahnen mit einem "Lautlos"-Aufkleber versehen seien. Würde dieses Hinweis-Schild nicht beachtet, müsse notfalls die Benutzung von Handys im ÖPNV komplett untersagt werden, so Böwer zur MOPO. Scheint so, als wäre ihm dies sowieso am liebsten. Böwer, der selbst täglich Bus und Bahn fährt, berichtete gestern, wie genervt er davon sei, pausenlos mitanhören zu müssen, wie sich Renate von Torben trennt und wie Wilfried seiner Elvira sagt, dass er in drei Minuten im Bahnhof Sternschanze sei...
CDU-Umweltpolitiker Rüdiger Kruse kommentierte die Forderung seiner SPD-Kollegen als "typischen Sommerpausen-Vorstoß". Der Staat müsse nicht überall Knigge spielen. Hochbahn-Sprecher Christoph Kreienbaum sagte dagegen, darüber, ob Handies stumm geschaltet werden müssen, könne man nachdenken.