Zart streicht Rebecca den Bogen über die Saiten, die Mitschüler hören ihr bewundernd zu. Das zwölfjährige Mädchen spielt seit sieben Jahren Geige - und zwar hervorragend. Ob sie die Musik mal zum Beruf machen möchte? "Das weiß ich noch nicht. Vielleicht mache ich auch etwas mit Werbung." Denn die aufgeweckte Schülerin überlegt sich schon heute immer Verbesserungen für TV-Spots von Schokoriegeln und Co.
Rebecca geht auf das Gymnasium Hochrad, eine internationale Schule mitten in Othmarschen. Hier werden Kinder aus 40 Nationen unterrichtet. Ihre Eltern sind Manager internationaler Unternehmen, erfolgreiche Künstler, alteingesessene Hamburger Familien, renommierte Ärzte und bekannte Anwälte.
Die neue Schulleiterin Inge Voltmann-Hummes liebt dieses internationale Flair, sie hat selbst in Südamerika und Frankreich gelebt. Ein wichtiger Baustein des Schulkonzepts ist der bilinguale Zweig, in dem die Schüler zwei Stunden mehr Englisch-Unterricht haben und ab der 7. Klasse sogar Fachunterricht in der Fremdsprache. Kein Wunder, denn viele Jungen und Mädchen sprechen eh Deutsch und Englisch.
Voltmann-Hummes: "Einige unserer Kinder sind in Paris geboren, in Washington zur Schule gegangen und vielleicht ziehen sie in zwei Monaten mit ihren Eltern nach Japan."
Ein Schwerpunkt im Schulalltag ist das kulturelle Leben, insbesondere die Theaterkultur. "Wir haben sehr talentierte Jugendliche. Einige sind schon als Fernsehstars oder Filmhelden bekannt geworden. Andere treten im Thalia, im Schauspielhaus und auf Kampnagel auf", zählt Voltmann-Hummes stolz auf. Durch gute Kontakte sind auch Highlights innerhalb der Schule möglich: So waren schon Tagesthemen-Sprecher Tom Buhrow und seine Frau zu einer Lesung im Hochrad.
"Leider bewegen sich Schüler heute viel zu wenig, wir brauchen mehr Sportunterricht", fordert Voltmann-Hummes. Sie ist selbst passionierte Sportlerin und sieht mit Freude, dass ein Teil der Schüler sich für Hockey, Golf, Segeln und Fußball begeistern kann. Und auch hier bringen die Schüler Hochleistung, einige von ihnen sind im Sportkader Segeln, Wasserball und Co. "Leider ist unsere Sporthalle eine Katastrophe." Das Gebäude ist alt und marode - das jahrzehntelange schlampige Gebäudemanagement der Schulbehörde macht auch vor den Vorzeigeschulen der Stadt nicht Halt.
Berufsvorbereitung ist auch am Gymnasium mittlerweile ein wichtiges Thema. Und das Hochrad wird demnächst mit einem großartigen Projekt starten: Engagierte Eltern haben ihre Kontakte spielen lassen und mit einem Lehrer gemeinsam 70 Firmen auf der ganzen Welt organisiert, die den Schülern der 11. Klasse ein dreiwöchiges Praktikum anbieten - von China bis in die USA. "Überhaupt sind die Eltern bei uns an der Schule eine ganz große Bank, wie man im Sport sagt", so die Schulleiterin. Mütter organisieren ehrenamtlich die Cafeteria und den Mittagstisch. Einige Eltern haben ein sehr teures, seltenes Gerät für den Biologieunterricht gesponsert, andere übernehmen Fahrdienste und Verpflegung bei Events. "Wie kritische Freunde begleiten sie alles, was das Kollegium tut. Sie investieren sehr viel, weil Bildung ihnen wichtig ist und ihre Kinder eine optimale Schulzeit haben sollen."