Als ich vorgestern auf der Palmaille fuhr, wähnte ich Margot Käßmann vor mir. Zwei Gründe sprachen dagegen: Zum einen wird die Religionsgelehrte nicht schon gegen 13 Uhr betrunken sein, zweitens wird sie zurzeit wohl auch kaum Auto fahren. In Bruchteilen von Sekunden wurde ich aus meinen Gedanken gerissen und erfuhr, warum das Auto vor mir derartige Schlangenlinien fuhr: Mein Wagen versank in einem Schlagloch.
Kaum hatte ich das Lenkrad wieder gerade gehalten, musste mein Auto den nächsten Anschlag überstehen. Kurzum: Wahnsinn, was derzeit auf Hamburgs Straßen los ist! Wenn man allerdings davon ausgeht, dass eine Straße eine begradigte Wegkonstruktion für Kraftfahrzeuge ist, dann sind die Palmaille und viele andere Wege in Hamburg seit diesem Winter keine Straßen mehr.
Zunächst waren die Stadtoberen also unfähig, Hamburg von Schnee und Eis zu befreien, und nun kommt man nicht mehr ohne Achsschäden von A nach B. Vor 20 Jahren hatten wir in Deutschland viele solcher Straßen. Die verliefen allerdings eher zwischen Dresden und Leipzig.
An anderer Stelle steht Hamburg nun nicht mehr so auf Nostalgie. Beim HVV hat es ein radikales Umdenken gegeben – Busreisende werden nun kontrolliert. Die wissenschaftliche Erkenntnis, dass man bei Kontrollen auch weniger Schwarzfahrer hat, ist nun also auch in Old Hamburg angekommen. Gefühlte 500 Jahre nachdem dies bereits in Kleinwümmede, auf Hallig Hooge oder in Landau praktiziert wird.
Wenn der Fortschritt in Hamburg weiter Einzug hält, wird wohl nächstes Jahr jemand bei der Baubehörde auf die Idee kommen, dass man Straßen auch reparieren kann.
Eine extra-schöne Woche wünscht
Tobi Schlegl