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SKANDAL BEI "BÜRGER GEGEN TIERVERSUCHE"

Kassenprüferin erstattete die Anzeige

Sie deckte den Raffke-Fall im Verein "Bürger gegen Tierversuche" auf: Kauffrau Christa Winkel (65), die sich im Dezember 2007 als freiwillige Kassenprüferin für den Verein zur Verfügung gestellt hatte - und aus allen Wolken fiel, als sie im Kassenbericht 2006 das Monatsgehalt der Vorsitzenden fand: 4500 Euro, bezahlt aus Spendengeldern von Tierfreunden. Zusammen mit weiteren Vereinsmitgliedern stellte Christa Winkel Strafanzeige beim Landeskriminalamt (Az: LK 511N/1K/ 0104420/2008.



"Ich war von den Socken, als ich die Personalkosten für 2006 sah", sagt die Kauffrau aus Nienstedten. "Insgesamt 85000 Euro! Davon 36000 Euro Abfindung für Frau Runde, für ihre angeblich ehrenamtliche Tätigkeit. Dabei bekam sie 4500 Euro jeden Monat. Ich war fassungslos."



Warum der siebenköpfige Vorstand das Topgehalt der Vorsitzenden abnickte, ist der Kauffrau ein Rätsel. Rundes Stellvertreterin, selbst ehrenamtlich für den Verein tätig, lässt durch ihre Anwältin Martina Stoldt ausrichten, sie habe Simone Runde "blind vertraut" und sei "zutiefst enttäuscht".



Katzenfreundin Winkel war selbst Mitglied im Verein "Bürger gegen Tierversuche", schied in den 90er Jahren aus: "Damals hatte Frau Runde auf der Mitgliederversammlung beantragt, dass sie ein Gehalt beziehen wolle. Das konnte ich nicht mittragen."



"Bürger gegen Tierversuche", betont Christa Winkler, "war einmal ein Superverein, der viel bewegt hat im Kampf gegen Tierquälerei." Deshalb habe sie trotz langer Funkstille auch zugesagt, als Simone Runde sie im vergangenen Dezember bat, sich zur ehrenamtlichen Kassenprüferin wählen zu lassen.



Christa Winkel ahnte nicht, was sie erwartete. Die laufenden Einnahmen des Vereins reichten längst nicht mehr für das Gehalt der Vorsitzenden: "Das wurde aus der Substanz des Vereinsvermögens gezahlt."



Simone Runde wird vom Rechtsanwalt Friedrich Engelke beraten. "Meine liebe, langjährige Mandantin" nennt er sie gegenüber der MOPO. Im Untreue-Skandal um den Vorsitzenden des Hamburger Tierschutzvereins hat Friedrich Engelke stets die Geldgier des Ex-Vorsitzenden Wolfgang Poggendorf angeprangert.



Warum verteidigt der Jurist gleichzeitig ein extrem hohes Gehalt für die Chefin eines anderen Tierschutzvereins? "Das Gehalt wurde von der Mitgliederversammlung beschlossen", erklärt Engelke, "meine Mandantin hat ihre berufliche Tätigkeit für den Verein aufgegeben, leistet rund um die Uhr Arbeit für den Tierschutz."



Kürzlich hat der Verein eine Wohnung im Wert von 70000 Euro geerbt. Dieses Geld, so hoffen die Tierschützer, soll Tieren zugutekommen. Wie es der Wunsch des Verstorbenen war.

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Datum:  22.2.2008
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