Schwere Unfälle, kilometerlange Staus und genervte Autofahrer: Die A1 als wichtigste Verkehrsschlagader zwischen Bremen und Hamburg schafft immer neue Negativ-Schlagzeilen. Zu den Dauerbaustellen beim sechsspurigen Ausbau der Autobahn kommen jetzt noch zahlreiche Löcher im neuen Asphalt.
Wie bei den Pfusch- Vorwürfen beim U-Bahn-Bau in Köln und Düsseldorf taucht auch dort der Name eines Mannheimer Baukonzerns auf: Bilfinger Berger. „Der oberste Belag bröselt einfach weg“, beschreibt Heiko Gerken von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Verden die Probleme. „Die Fahrbahndecke löst sich vier Zentimeter tief auf.“
Zweieinhalb Monate nach der Freigabe wird ein Autobahn- Teilstück bei Bremen damit schon wieder zum Sanierungsfall. Umfang der Schäden, Kosten und Dauer der Reparatur sind bisher nicht abzusehen, heißt es bei den Behörden. Täglich rollen 70 000 Fahrzeuge zwischen Hamburg und Bremen über die Autobahn. Rund ein Viertel davon sind Lastwagen.
Das Desaster wirft einen Schatten auf das bisher größte Gemeinschaftsprojekt von öffentlicher Hand und Privatwirtschaft (Public Private Partnership) in der Bundesrepublik: Das Konsortium „A1-mobil“ finanziert den Ausbau der 73 Kilometer langen Strecke sowie deren Betrieb und Erhaltung. Wesentlich beteiligt sind der internationale Baukonzern Bilfinger Berger (Mannheim) und die Bunte-Gruppe (Papenburg).
Bilfinger Berger steckt seit Wochen tief im U-Bahn-Bauskandal. Die Bunte-Gruppe hatte sich den Zuschlag für den Bau des Tiefwasserhafens in Wilhelmshaven erklagt und prozessiert derzeit wegen Mehrkosten. Das „A1-mobil“-Konsortium äußerte sich am Mittwoch nur knapp zu den Schäden: „Die Ermittlungen der Ursachen dauern an.“ Die Bauzeit bis Ende 2012 werde sich nicht verzögern. Nach Medienberichten soll im April ein Gutachten vorgelegt werden.
Unterdessen rätseln die Experten weiter über die Ursachen der Pannen. Auch Dirk Matthies vom ADAC Weser-Ems in Bremen wundert sich. „Das ist schon sehr merkwürdig. So etwas kennt man nicht von neuen Straßen.“ Der als Flüsterasphalt bekannte Belag sei nicht zum ersten Mal verwendet worden, auch Frost dürfte kaum eine Rolle gespielt haben. Aus Sicht des ADAC-Mannes kann nur ein Fehler bei der Verfahrensweise verantwortlich sein.